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Veröffentlicht: 05.06.2000, 12:00 Uhr

Rezension: Sachbuch Goldstandard, Bretton Woods, EWS

Eichengreen stellt die Frage nach dem richtigen Währungssystem

Barry Eichengreen: Vom Goldstandard zum Euro. Die Geschichte des Internationalen Währungssystems. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2000, 300 Seiten, 39,80 DM.

Um es vorwegzunehmen: Die wesentliche Schwäche des Buches "Vom Goldstandard zum Euro" liegt darin, dass es erst vier Jahre nach der Veröffentlichung des Originals ins Deutsche übersetzt worden ist. So spekuliert Barry Eichengreen über Dinge, die inzwischen Vergangenheit sind. Das ist bedauerlich. Zum einen ist Eichengreen einer der bekanntesten Währungspolitiker, zum anderen erörtert der Autor - zwar aus historischer Sicht, aber dennoch nicht minder aktuell - jene Frage, die jedes Land angeht: die Frage nach dem richtigen Wechselkurssystem. Nachdem mehrere Währungskrisen die Weltmärkte erschüttert haben, ist deutlich geworden, dass die vorliegenden Krisenlösungen und Erklärungen nicht ausreichen. Zwar weist Eichengreen in seinem Vorwort darauf hin, dass er das Buch für Studenten der Wirtschaftswissenschaft und der Geschichte geschrieben habe. Aber mit seiner Analyse der Währungssysteme vom Goldstandard bis zum freien Floating formuliert er seine eigenen Thesen über den Versuch der Staaten, Einfluss auf Wechselkurse zu nehmen. Und das ist nicht nur für Studenten von Interesse.

Der Autor ist davon überzeugt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: den Wechselkurs floaten zu lassen oder ihn zu Gunsten einer Währungsunion abzuschaffen. Entsprechend kommt er zu dem Ergebnis, dass für Europa der Euro die einzig vernünftige Maßnahme gewesen sei. Die aktuellen Wechselkursdaten geben dem Autor hier nicht unmittelbar Recht.

Eichengreen macht deutlich, dass keines der beschriebenen Währungssysteme ohne Fehler gewesen ist. Die in Lehrbüchern genannten Erklärungen, warum das System des Goldstandards ebenso hat scheitern müssen wie das System von Bretton Woods, verwirft Eichengreen. Seine eigene Theorie, warum zum Beispiel der Goldstandard eine Zeit lang funktioniert hat, beschreibt er - recht allgemein gehalten - mit den Worten: Die politischen und wirtschaftlichen Umstände hätten es erlaubt. Warum das System dann doch gescheitert ist, führt Eichengreen darauf zurück, dass zum einen die Demokratie zu Zeiten des Goldstandards noch nicht ausgereift gewesen sei und dass die Regierungen damals noch nicht erkannt hätten, durch die Geld- und Fiskalpolitik für Vollbeschäftigung zu sorgen. Wechselkursstabilität sei der Bevölkerung als wichtigstes Ziel verkauft worden, um Kapitalspekulationen zu vermeiden.

Dass Eichengreen zuweilen eher ungewöhnliche Thesen vertritt, macht das Buch gerade interessant. Der geschichtliche Überblick über die drei Währungssysteme Goldstandard (die verschiedenen Formen des Goldstandards erklärt Barry Eichengreen ausführlich), Bretton Woods und Europäisches Währungssystem (EWS) ermöglicht es dem Leser, das Thema Währungspolitik unter anderen als dem gängigen Blickwinkel zu betrachten.

INDIRA GURBAXANI

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