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: Ökonom. Bankier. Frankfurter.

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Das Unwissen über Albert Hahn (1889 bis 1968) begann mit seinem Namen. "L. Albert Hahn" stand unter zahlreichen Schriften, aber weil niemand wusste, was das "L." bedeutete, nahm man irgendwann einfach an, es müsse für "Ludwig" stehen. Michael Hauck, Frankfurter Privatbankier und Herausgeber eines Buches über Hahn, hat nun das Rätsel gelüftet.

          Das Unwissen über Albert Hahn (1889 bis 1968) begann mit seinem Namen. "L. Albert Hahn" stand unter zahlreichen Schriften, aber weil niemand wusste, was das "L." bedeutete, nahm man irgendwann einfach an, es müsse für "Ludwig" stehen. Michael Hauck, Frankfurter Privatbankier und Herausgeber eines Buches über Hahn, hat nun das Rätsel gelüftet. "L." stand für "Lucien".

          Hahn war ein ungewöhnlicher Mann. Aus einer seit Jahrhunderten in Frankfurt ansässigen Bankiersfamilie stammend, übernahm er die Leitung der Deutschen Effecten- und Wechselbank, die von seiner Familie kontrolliert wurde. Doch fühlte er sich dem Geschäft nicht verbunden, weil ihn die Wissenschaft eher reizte. Innerhalb der Ökonomenzunft blieb Hahn ebenfalls Außenseiter, weil er zwar eine Honorarprofessur erhielt, aber niemals einen ordentlichen Lehrstuhl besaß und mit dem Blick des Praktikers wissenschaftliche Fragen anging. Als Bankier zu sehr Ökonom, als Ökonom zu sehr Bankier, so nahm er seine Wirkung wahr.

          Dabei hatte Hahn einiges zu sagen. Als junger Mann sorgte er mit dem Buch "Volkswirtschaftliche Theorie des Bankkredits" für Aufsehen, indem er eine Sicherung des Wachstums durch expansive makroökonomische Politik begründete. Das seinerzeit vieldiskutierte Werk machte Hahn zu einem "Keynesianer vor Keynes", und in mehreren Veröffentlichungen deutete Hahn an, Keynes könnte bei ihm abgeschrieben haben.

          Als Keynes im Jahre 1936 seine "General Theory" veröffentlichte, hatte Hahn längst das Lager gewechselt. Unter dem Einfluss österreichischer Ökonomen wie Ludwig von Mises war er zu einem Antikeynesianer geworden. An dieser Ausrichtung hielt er auch in späteren Schriften fest; seine Ansichten zur Geldpolitik der frühen Nachkriegszeit wurden damals innerhalb der Deutschen Bundesbank sehr beachtet. Hahn war zudem ein sehr erfolgreicher Kapitalanleger, der ein Gespür für erfolgreiches Handeln in der Krise besaß. Nicht zuletzt deshalb ist das Werk zeitgemäß.

          Haucks Buch erinnert aber nicht nur an den Bankier und Ökonomen Hahn. Es beschreibt auch den Frankfurter Bürger und das bürgerliche Milieu der Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg. Hahn musste wegen seiner jüdischen Herkunft die Heimat, die er liebte, verlassen. Über Kuba kam er nach New York, wo er geschäftlich reüssierte, sich aber nicht wirklich wohl fühlte. Ein paar Jahre nach Kriegsende kehrte Hahn nach Europa zurück. Er selbst hätte sich wohl im zerbombten Frankfurt niedergelassen, aber mit Rücksicht auf die Einwände seiner Frau wählte er Paris als Lebensmittelpunkt mit einer Villa in Südfrankreich als Zweitwohnsitz.

          Michael Hauck hat Albert Hahn gut gekannt, und er versteht sich ebenso als Frankfurter Bürger. So ist ein einfühlsames Buch entstanden, das über eine untergegangene Epoche der Stadt berichtet und über einen Mann, in dem sich alter Geldadel und Bildungsbürgertum verbanden und dessen Fliege äußeres Zeichen seines Nonkonformismus war. Hahn war Privatbankier, aber kein geldhungriger Banker, und er führte lieber geistreiche Gespräche mit seiner Freundin Marion Gräfin Dönhoff als eine Kreditverhandlung. Haucks Dokumentation, wie er sie nennt, sollte den Beginn einer Wiederentdeckung Albert Hahns einleiten.

          GERALD BRAUNBERGER

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