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: Freiheit statt Sozialismus

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Die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre bedeutete für den Liberalismus eine Zäsur. Im 19. Jahrhundert stand noch im Vordergrund, die staatliche Willkür einzudämmen. Jetzt reifte die Erkenntnis, dass Laisser-faire auch keine Lösung ist. Eine wohlüberlegte, vom Staat gesetzte und überwachte Rahmenordnung ist vonnöten.

          Die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre bedeutete für den Liberalismus eine Zäsur. Im 19. Jahrhundert stand noch im Vordergrund, die staatliche Willkür einzudämmen. Jetzt reifte die Erkenntnis, dass Laisser-faire auch keine Lösung ist. Eine wohlüberlegte, vom Staat gesetzte und überwachte Rahmenordnung ist vonnöten. Dies wurde zum Credo der Neo- und Ordoliberalen; auf diesem Boden entstand das berühmte Konzept der Sozialen Marktwirtschaft.

          Zwar zählt noch heute zumindest eine oberflächliche Vertrautheit mit deren Vordenkern wie Walter Eucken, Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow und Alfred Müller-Armack zur Allgemeinbildung. Auch wenn sich ihre Impulse in der Wissenschaft heute vor allem in der Institutionenökonomik spiegeln, gelten ihre Originalbeiträge indes mittlerweile als etwas verstaubt. Mit den Arbeiten des österreichischen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek, des Gründers der Mont Pèlerin Society, ist die Zeit schonender umgegangen. Sein Werk wirft immer wieder neue fruchtbare Fragen auf.

          Die Historikerin Iris Karabelas setzt sich mit Hayeks Werk und Wirkungsgeschichte gründlich auseinander. Mit ihrer Untersuchung verfolgt sie ein übergeordnetes Ziel. Sie vergleicht die Rezeption Hayeks in Deutschland und im angelsächsischen Raum, um auf dieser Basis die politikwissenschaftliche These vom Ende der "Westernisierung" zu widerlegen. Nach dieser These begann die seit Kriegsende aufgebaute transatlantische Wertebindung in den siebziger Jahren zu bröckeln, so dass die Partner "hinsichtlich ihrer politischen, ökonomischen und sozialen Wert- und Ordnungsvorstellungen langsam, aber spürbar getrennte Wege einschlugen". Die Inhalte dieser Wertebindung beschreibt Karabelas mit einer weiteren vagen politikwissenschaftlichen Vokabel als "Konsensliberalismus", geprägt angeblich von der Naturrechtstradition mit ihrer Betonung der Vernunft, der persönlichen Freiheit und des privaten Eigentums, vom Machbarkeitsglauben des New Deal, von Pragmatismus und liberaldemokratischem Internationalismus.

          Der Ausgangspunkt der Untersuchungen ist die bekannte Tatsache, dass Hayek in den siebziger und achtziger Jahren der britischen Premierministerin Margaret Thatcher und dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan als Inspirationsquelle gedient hatte. Deren Politik jedoch, die eine Zurückdrängung des Staates als Ziel hatte, bedeutete nach Karabelas eine Aufkündigung des so genannten Konsensliberalismus. Die Dreisatz-Beweisführung der Autorin führt gleichsam von hinten durch die Brust ins Auge: Wenn Hayek in Deutschland ähnlich "marktradikal" interpretiert worden wäre wie angeblich von der "Neuen Rechten" unter Thatcher und Reagan, dann hätte in Deutschland ebenfalls ein Wertewandel weg vom Konsensliberalismus stattgefunden - und das wäre das Ende der "Westernisierung".

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