Vor dem Landgericht München wurde dieser Tage die interessante Frage erörtert, wie viel Geld in einen Koffer passt. 20 Millionen Dollar passten nicht hinein, hatte der Anwalt von Bernie Ecclestone während des Verfahrens ausgeführt. Selbst bei Hunderter-Scheinen ergäbe das nämlich einen Stapel von 1,10 Meter Höhe und ein Gewicht von 200 Kilo.
Gerhard Gribkowsky, der ehemalige Risikovorstand der Bayerischen Landesbank, hatte behauptet, Formel-1-Chef Bernie Ecclestone habe ihm bei einem Autorennen in Australien die besagte Summe in seinem Wohnmobil als Bestechungsgeld auf den Tisch gelegt. Die Verteidigung Ecclestones bestritt dies: Ecclestones Wohnmobil sei nie in Australien gewesen. Eingeräumt haben beide Parteien indessen, dass Ecclestone Gribkowsky nicht nur 20, sondern etwa 44 Millionen Dollar hat zukommen lassen; man streitet nur noch darum, ob dies ein Bestechungsgeld an Gribkowsky oder die Folge einer „Erpressung“ durch ihn war.
„Mutti Merkel mit Truppen töten“
Legal hingegen war wohl das Honorar von etwa 13 Millionen Euro, das die Investmentbank Morgan Stanley für die Beratung des Landes Baden-Württemberg beim Rückkauf der Anteile an dem Unternehmen ENBW im Jahr 2010 erhalten hat - fraglich aber ist, ob der Kaufpreis für diese Anteile viel zu hoch war, wie die jetzige Landesregierung behauptet und wie derzeit vor einem Untersuchungsausschuss erörtert wird.
Mindestens ungünstig kann man es wohl auch nennen, dass Morgan-Stanley-Deutschlandchef Dirk Notheis den damaligen Ministerpräsidenten Mappus in diversen unlängst veröffentlichten E-Mails minutiös zu steuern versuchte und etwa darüber beriet, wie er seinen Finanzminister „in den Griff“ bekommen oder ob er „Mutti“ Merkel „mit seinen Truppen töten“ könne.
Fast zehn Jahre ist es nun schon her, dass man in Deutschland über den Realitätsgehalt von Lutz Hübners „Bankenstück“ oder Rolf Hochhuths „McKinsey kommt“ diskutierte, in denen sprachliche wie menschliche Verderbtheit gewisser Banker und Berater angeprangert wurde. „So stellen sich manche Dramaturgen das Wirtschaftsleben vor“, schrieb damals noch ein Kritiker und fragte gönnerhaft: „Was haben die Spektakel im Stadttheater mit der Wirklichkeit zu tun?“ Was Philip Roth einmal über die Realität sagte, gilt hier wohl in besonderem Maße: Sie verblüfft, sie macht krank vor Raserei, ja sie ist fast eine Beleidigung der eigenen mageren Vorstellungskraft.