18.09.2003 · Zwölf Jahre lang war deutsche Kulturarbeit in der afghanischen Hauptstadt ein Wagnis, unter den Taliban gar unmöglich. Nun öffnet das Goethe-Institut wieder seine Dependance in Kabul.
Das Goethe-Institut in der afghanischen Kabul öffnet am Montag wieder die Pforten. Zwölf Jahre lang war es wegen Krieg und der Herrschaft der Taliban geschlossen gewesen. Es handle sich um das bisher einzige ausländische Kulturinstitut vor Ort, teilte das Goethe-Institut mit. Vor allem kultur- und bildungspolitische Kurse sollen angeboten werden. Damit wolle man einen Beitrag zur Demokratisierung leisten. Besondere Aufmerksamkeit will das Institut afghanischen Frauen widmen, denen unter den Taliban kaum Bildungsmöglichkeiten geblieben waren.
Schon vor dem Eröffnungsakt am Montag begannen die Kurse in dem frisch renovierten Institut, das im ehemaligen Gebäude der DDR-Botschaft untergebracht ist. In vier Deutschklassen werden derzeit 60 Sprachschüler unterrichtet. Die neue Institutsleiterin Renate Elsaesser organisiere mit Sondermitteln des Bundes bereits Kulturprojekte in den Bereichen Theater, Film, Musik und Bildende Kunst, sagte ein Sprecher des Instituts. Elsaesser ist seit gut einem Jahr vor Ort.
Das Goethe-Institut engagiert sich schon seit einiger Zeit besonders in Krisengebieten. In der irakischen Botschaft Bagdad soll das dortige Büro bald wiedereröffnet werden. Und in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, wird ein Lesesaal eingerichtet.