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Veröffentlicht: 18.02.2017, 08:20 Uhr

Kommentar Die Sendungsbewussten

Donald Trump brüllt, Mark Zuckerberg predigt, gemeinsam wirken sie wie die beiden Seiten einer Medaille. Der eine sagt „America first“, der andere sorgt für „Facebook first“.

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© AP Gibt sich präsidial: Mark Zuckerberg.

Wer Donald Trumps jüngste Pressekonferenz ansieht, kann sich schon fragen, wo der Mann hinter dem Rednerpult sein Leopardenfell gelassen hatte oder die Ordensammlung, die phantasiebegabte Potentaten sonst kostümieren. Kaum dass ein Reporter den Mund öffnete, schnitt er ihm das Wort ab, redete repetitiv über anderes („Chaos geerbt“, „Regierung wie fein abgestimmte Maschine“, „in Umfragen Zustimmung“ – nun ja, in der, die er zitierte). Wirklich Auskunft zur mutmaßlichen Russland-Verbindung seines Wahlkampfteams gab es nicht, Trump marschierte auf das bewährte Feld der Medienschelte. Den CNN-Reporter titulierte er schon ritualhaft als „Fake News“, den BBC-Kollegen mit „noch eine Schönheit“, einen jüdischen Journalisten als „Lügner“ – nur weil er hatte wissen wollen, was Trump gegen Antisemitismus tue.

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Man muss diese Pressekonferenz, man muss Trumps Politik des grenzsicheren „America first“ der alternativen Fakten als unausgesprochenes Gegenbild dessen sehen, was Mark Zuckerberg uns als sein rein altruistisches Heilsversprechen für die ganze Welt verkaufen will. In einem offenen Brief an seine Community legt sich der Facebook-Chef verbal den Superheldenmantel des Hüters der Meinungsfreiheit und der Demokratie um und verkündet: In Zeiten wie diesen – der Globalisierungskritik, des neuen Nationalismus, des Populismus, des Terrorismus, der Hassrede, des Klimawandels – müsse Facebook erst recht die Menschen eine globale Gemeinschaft bilden lassen. Diese sei quasi das Ziel der Geschichte, die Menschen erst in Stämme, dann in Städte, Nationen und nun bei Facebook zusammenführe. Die globale Gemeinschaft ermögliche umfassendes Heil. Sie könne Frieden schaffen, Katastrophen verhindern, Terrorismus und Armut beenden, das Klima retten.

Was für ein Sendungsbewusstsein

Zuckerbergs Text atmet ein Sendungsbewusstsein, das es mit dem von Scientology locker aufnehmen kann. Facebook, erfahren wir, strebt Community-Building der nächsten Stufe an und will Menschen helfen, einander zu helfen, das Leben sicherer machen, für Informationen sorgen, die Zivilgemeinschaft stützen, inklusiv wirken. So soll eine diversifizierte Welt der gemeinsamen Werte entstehen. Schön gesagt, nur welche Werte mein Zuckerberg? Wenn er schreibt, dass Facebook Wahlen unterstütze, muss man wissen, dass das Netzwerk durch die Aufforderung zum Urnengang Nutzer auch gezielt manipulieren kann. Und wenn ausgebreitet wird, das Zuckerberg die Vielfalt der Meinungen zeigen wolle (mit Hilfe Künstlicher Intelligenz), muss man schon fragen, warum Facebook der chinesischen Regierung schöne Augen macht, die das Netz zensiert. Auch Zuckerberg scheint es nur um eines zu gehen: Deals.

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