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Erdogan und Gülen : Blutiger Rosenkrieg in der Türkei

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Nur als Staubfänger noch einträchtig beieinander: Fethullah Gülen und Recep Tayyip Erdogan, einst Partner vieler schmutziger Geschäfte. Bild: AFP

Eine Musterehe endet im Desaster: Wie Erdogan mit seinem alten Geschäftspartner Fethullah Gülen brach und sein Land dabei in den Abgrund riss. Ein Gastbeitrag.

          Die Türkei erlebt einen der lärmendsten Scheidungsprozesse ihrer modernen Geschichte. Eine politische Macht trennt sich von ihrem Partner. Es läuft anders als bei einem gewöhnlichen Paar: Mit Panzern und Gewehren, mit Bombardierung der Stellungen des anderen, mit Blutvergießen und dem Versuch, dem anderen ans Leben zu gehen. Um zu begreifen, warum eine frühere Musterehe in einem Desaster endet, ist ein Blick auf den Anfang, auf die Jahre des Kennenlernens hilfreich.

          Erdogan und Gülen: zwei einander bewundernde Islamisten. Zwei an Politik interessierte, ambitionierte Persönlichkeiten, beide gute Redner mit Organisationstalent. Ihr Leben lang standen beide unter Beobachtung des Militärs. Aufgrund religiöser Umtriebe hatte es gegen beide Ermittlungen gegeben, Haftstrafen und Verbote. Aneinander festhaltend, überstanden sie diese schweren Tage.

          Erdogan stieg über die Jugendorganisation der AKP Schritt für Schritt auf. Gülen, der seit 1999 in den Vereinigten Staaten lebt, gründete in der Türkei und in der ganzen Welt Schulen und machte sich daran, die „goldene Generation“ heranzuziehen, die morgen die Macht übernehmen sollte. Absolventen dieser Schulen wurden bei Armee und Polizei, in Akademien, im öffentlichen Dienst, in Universitäten und der Justiz untergebracht. Das Duo gründete eine große Familie und beschloss, die Türkei zu lenken. Und das gelang ihm.

          Eine großangelegte Diffamierungskampagne

          Allen Verhinderungsversuchen zum Trotz machten sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine islamistische Partei gemeinsam zur Alleinherrscherin in der Türkei. Anschließend ging es daran, Rivalen auszumerzen und die Beute zu verteilen. An den Polizei-Akademien ausgebildete Ordnungshüter und in die juristischen Fakultäten geschleuste Staatsanwälte saßen nun in Schlüsselpositionen. Auf einen Befehl hin setzten sie sich in Bewegung und verschworen sich gegen die Armee, die jahrelang verhindert hatte, dass sie die Macht ergriffen. Beweise wurden fingiert, geheime Zeugen gefunden und über die Medien wurde eine großangelegte Diffamierungskampagne geführt. Kaum mahnten die laizistisch-demokratischen Kräfte des Landes, „Diese Bewegung ist gefährlich. Sie bildet einen parallelen Staat im Staat. Sie höhlt den Staat von innen aus“, kassierten sie Ohrfeigen von Erdogan.

          Fethullah Gülen
          Fethullah Gülen : Bild: AP

          Zu den von Gülens Staatsanwälten geführten Ermittlungen sagte Erdogan: „In diesem Prozess bin ich der Staatsanwalt.“ Schließlich wurde der Ex-Generalstabschef inhaftiert und die zweitgrößte Armee der Nato fiel um wie ein Papiertiger. Generäle wurden verhaftet, Journalisten, die sich gegen die Gülen-Bewegung stellten, zu Haftstrafen verurteilt, Schlüsselpositionen in der Bürokratie mit Gülen-Leuten besetzt. Das Duo Erdogan-Gülen hielt die gesamte Macht in Händen.

          Die Hauptgefahr für profitorientierte Ehen besteht im Anwachsen des Kapitals. Denn damit setzen Verteilungsschlachten ein. So geschah es auch in der Verbindung von Erdogan und Gülen. Bei der Übernahme des Staats war die Beute so ungeheuer groß, dass Streit über die Verteilung ausbrach. Wer sollte welche Ausschreibung erhalten, wer welches Ministerium leiten, wer bei Entscheidungen zu kritischen Themen das letzte Wort haben?

          Jeder kannte die Psyche des anderen genau

          Im Juni 2012 sandte Erdogan seinem Partner in der Öffentlichkeit die erste Botschaft: „Wir wollen jene, die im Ausland leben und sich nach ihrer Heimat sehnen, bei uns haben. Das Heimweh soll endlich ein Ende finden.“ Das mochte wie der sehnsuchtsvolle Wunsch nach Gülens Heimkehr klingen, war aber die erste abgeschossene Patrone in einer großen Schlacht. Die beiden standen vor einer Weggabelung. Und Erdogan war kurz davor, die „Höhle“, so drückte er sich aus, seines lieben Partners zu betreten.

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