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Wider die neue Gebühr Rundfunk für alle

 ·  Mit dem neuen „Rundfunkbeitrag“ soll sich für die Mehrheit der Bürger nichts ändern. Wir möchten hier aber an jene Minderheit erinnern, die sich über Jahrzehnte das Fernsehen vom Hals gehalten hat.

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Das Jahr 2013 steht bevor und mit ihm der neue „Rundfunkbeitrag“, erhoben von jedem Haushalt, gleichgültig, ob dort ferngesehen wird oder nicht. Die öffentlich-rechtlichen Sender bescheiden sich mit dem Hinweis, dass sich damit für die Mehrheit der Bürger ja gar nichts ändere. Weshalb wir hier doch noch einmal an eine Minderheit erinnern, für die sich etwas ändert. Jene nämlich, die sich die Unterstellung immer verbat, dass es nur Gebührenzahler gebe und nichtzahlende Schwarzseher, welche sich gratis an Musikantenstadln, Quizsendungen, Spielfilmsaucen, Talkshows, Tatorten, Tagesschauen und anderem ergötzen möchten.

Jene Minderheit also, die sich über Jahrzehnte das Fernsehen vom Hals gehalten hat. Genauso wie die unverschämt formulierten Mahnungen einer GEZ, und dies nicht etwa aus Sparsamkeitsgründen, sondern weil sie das Angebot nicht in Anspruch zu nehmen gedachte und auch nicht subventionieren wollte. Und die den Hinweis, man könne dieses Angebot auch via PC empfangen und müsse deshalb schon bei Besitz eines solchen zahlen, als einen Anschlag aufs Rechtsempfinden ansah.

Natürlich wird, wer dieser altmodischen Minderheit angehört, gern mit der Frage bedacht, ob sie oder er denn wirklich keine sinnvollen Anteile für sich ausmachen könnten. Worauf die Antwort dann meist lautet: Diesen Anteil gebe es sicherlich, aber groß könne er nicht sein. Dieses Missverhältnis festzustellen reichten schon die Stichproben in Hotelnächten. Und jedenfalls wollte die in Rede stehende Minderheit dafür nicht mit der Vorstellung leben, die ganze übrige Bespaßung mitzufinanzieren. Was die Nachrichtensendungen angeht: Man könne doch kaum ernsthaft behaupten, dass deren Angebot an die Möglichkeiten heranreicht, welche die Lektüre von mehreren Zeitungen bietet. Es sei nun wirklich nicht so, dass die öffentlich-rechtlichen Sender unabdingbar für eine gediegen abwägende Meinungsbildung wären.

Wer auf sie zurückgreifen möchte, der solle es tun und seine Gebühr zahlen. Wer auch noch den Rest zu schätzen weiß, hat dazu erst recht guten Grund. Aber verpflichtet wolle man darauf nicht werden. Auch nicht mit der wackeligen Konstruktion eines „Beitrags“, der ohne Ansehen der Inanspruchnahme des entsprechenden Angebots erhoben wird von einem eigens dafür unterhaltenen Verwaltungsapparat, der über tausend Leute beschäftigt. Aber nun kommt er doch, politisch abgesegnet und vom rechtzeitig bestellten Gutachten eines ehemaligen Verfassungsrichters gestützt. Bleibt nur zu wünschen, was einem heutzutage ohnehin überall entgegenschallt: Viel Spaß!

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26.12.2012, 15:52 Uhr

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Von Andreas Platthaus

Mit Kafka teilte er die Einfühlung in das Schicksal der Bedrängten. Das Erfolgsrezept seiner Bücher könnte den Titel eines Aufsatzes tragen, den er 1993 veröffentlicht hat. Zum Tod von Gabriel García Márquez. Mehr 3 3