Die Zuschauer, die dieser Tage zu „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ von Bertolt Brecht ins Kölner Schauspielhaus strömen, bekommen erst einmal eine halbe Seite Juristenprosa vorgesetzt: „Die Bearbeitungen haben das ursprüngliche Werk erheblich verändert und sind ohne Abstimmung mit den Urheberberechtigten erfolgt“, steht auf dem Handzettel, den das Theater, zähneknirschend ein
Versäumnis einräumend, im Foyer verteilt, um auch gleich die Konsequenzen für die Kunst anzusprechen: „Von der originalen Musik Paul Dessaus ist in dieser Inszenierung kaum etwas übrig geblieben.“ Das aber hätte jeder, der sich die Aufbereitung des Regisseurs Herbert Fritsch zu Gemüte führt, ganz schnell auch selbst bemerkt. Denn das „Volksstück“ wird zur Revue aufgepeppt, die Parabel zur Posse verflacht. Den Ton gibt ein spilleriger Barpianist im Bananenrock an, der die szenische Rutschpartie mit Fremdliedern aufmischt und mit stummfilmmusikalischen Improvisationen untermalt.
Erkennen Sie Brecht?
Nicht erst, wenn er „Ist das Dessau? Nein, das ist Köln!“ kalauert, ist der letzte Groschen im Parkett gefallen. Dem Verlag, der auf „Werkbindung“ pocht, und den Erben des Komponisten geht das verständlicherweise zu weit, und so haben sie dem Theater auferlegt, die gröbsten Keckheiten und Entstellungen zurückzunehmen. Dass das Original dadurch kenntlicher wird, darf aber bezweifelt werden, eher steht zu befürchten, dass die aufgedrehte Show noch schneller leerläuft. Wäre es da angesichts einer Konstellation von Regisseur und Rechteinhabern, die schon auf dem Papier konfliktträchtig erscheint, nicht besser gewesen, wenn beide Seiten sich vor Vertragsabschluss verständigt hätten?
Doch auch mit der Auflage, dem Publikum die Pflichtverletzung mitzuteilen, hat der Verlag dem Schauspiel Köln ein Stilmittel aufgedrückt, das es der Spielweise, die es so unbekümmert ignoriert, wieder etwas näherbringt: Zumindest dieses Flugblatt an das „Sehr geehrte Publikum“ funktioniert voll im Sinne des epischen Theaters.