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Werbebetrug bei Facebook? : Klicks von Phantomen

Wundersame Klickvermehrung: Facebook steht derzeit nicht nur an der Börse unter Druck Bild: dpa

Hat Facebook seine Werbekunden mit manipulierten Klickzahlen betrogen? Ein amerikanisches Start-up-Unternehmen wirft dem Netzwerk vor, von Robotern erzeugte Werbeclicks in Rechnung gestellt zu haben.

          Facebook verdient sein Geld hauptsächlich mit Werbung, ein Umsatz von knapp einer Milliarde Dollar kam so im vergangenen Jahr zusammen. Um seine Aktionäre bei Laune zu halten und den Börsensinkflug zu stoppen, darf es auf keinen Fall weniger werden. Sind dem Unternehmen deshalb auch unlautere Methoden recht?

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die New Yorker Musikplattform Limited Run klagt das soziale Netzwerk an, achtzig Prozent der ihm in Rechnung gestellten Werbeklicks mit Robotern generiert zu haben. Mit sechs verschiedenen Statistikinstrumenten will man beobachtet haben, dass nur ein Fünftel der von Facebook berechneten Klicks auch tatsächlich den Weg auf ihre Homepage fanden. Die restlichen Besucher seien nicht Kunden, sondern Roboter gewesen. Limited Run entwickelte nach den verstörenden Ergebnis ein eigenes Analysewerkzeug und kam zum gleichen Befund. Was seinen Verdacht bestärkte, war die Tatsache, dass die strittigen achtzig Prozent der Klicks von Besuchern mit deaktiviertem Java Script kamen, was ihre Identität für die Analyseinstrumente kaum ermittelbar macht und dem gängigen Nutzerverhalten widerspricht. Sollte es sich um eine Verschleierungsaktion für Klickbetrug handeln?

          Ein Verdacht steht im Raum

          Limited Run kündigte jedenfalls den Abschied von dem sozialen Netzwerk an und konfrontierte Facebook mit seinem Verdacht. Dort folgte man zunächst der bekannt wortkargen Öffentlichkeitspolitik und schwieg, während Tom Mango, einer der Betreiber der Musikplattform, in seinem Blog in die Tasten griff. Er wolle Facebook nicht des Klickbetrugs anklagen, schrieb er, woher die Roboter kämen, sei letztlich nicht herauszufinden. Möglich, dass sie von einem Konkurrenzunternehmen stammten, das die Werbekosten für Limited Run in die Höhe treiben wolle. Mango teilte aber auch seine Enttäuschung über den mangelnden Aufklärungswillen von Facebook mit.

          Inzwischen ist eine Mail in seinem Postfach eingegangen. Man sei, schreibt Facebook, mit der Klärung des Vorwurfs beschäftigt und verweist auf unterschiedliche Statistiken. Die automatischen Klicks führt man auf gefälschte Accounts zurück, die man mit Filterinstrumenten bekämpfe (für sehr wirkungsvoll scheint man sie nicht zu halten), und gegen die man, ganz auf der Linie der vor kurzem verkündeten Unternehmenspolitik, in Zukunft verstärkt vorgehen will. Das Netzwerk soll bald nur noch von echten Menschen bevölkert werden.

          Ein anderer Verdacht ist nicht auszuschließen

          Die Affäre trifft Facebook in einem ungünstigen Moment. Sollte sich der Verdacht bestätigen und die frisierten Klickraten kein Einzelfall, sondern Strategie sein, wäre das kein Kavaliersdelikt, sondern ein gigantischer Schwindel, bei dem es um Beträge in vielfacher Millionenhöhe geht. Unternehmen wie Amazon oder Coca Cola geben jährlich viele Millionen Dollar für Facebook-Werbung aus. Die Zweifel an ihrer Effizienz hat Facebook aber noch nicht beseitigen können. General Motors hat seinen Werbeetat vor kurzem abgezogen. Auf der anderen Seite steht Facebook bei seinen Aktionären in der Pflicht. Um seinen Börsensturzflug zu beenden, muss es seine Gewinne unbedingt steigern.

          Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass Limited Run den öffentlichkeitswirksamen Vorwurf zum eigenen Aufmerksamkeitsgewinn plaziert hat und gleichzeitig eine offene Rechnung begleichen will. Das junge Unternehmen nannte sich zu Beginn Limited Pressing und heißt auf Facebook noch immer so. Laut Mango habe das soziale Netzwerk für die Umbenennung die Investition von zweitausend Dollar in Werbung verlangt. Facebook nennt das ein Missverständnis. Die mysteriösen Klickraten sind den Analysten von Limited Run dagegen schon vor Monaten aufgefallen. Man habe keine Zeit gehabt, öffentlich auf sie aufmerksam zu machen, sagt Mango, und nehme nun den Namenskrieg zum Anlass, um die Sache publik zu machen. Ein besserer hätte sich denken lassen.

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