08.09.2010 · Zwischen Weimar und Dessau ist ein heftiger Streit darum entbrannt, wer der wahre Erbe der klassischen Moderne sei. Etappensieger ist zunächst Weimar, das mit seinem Bauhaus-Museum zum Magnet geworden ist. Doch das hat Dessau eigentlich nicht verdient.
Von Regina MönchWem gehört das Bauhaus? Vor einiger Zeit konnte vermeldet werden, dass sich die drei Museen, die das Erbe pflegen – Dessau, Weimar und Berlin –, um einen gemeinsamen Internetauftritt bemühen. Aber im wirklichen Leben geht es anders zu als im virtuellen. Besonders zwischen Weimar und Dessau ist nun ein heftiger Streit entbrannt, wer der wahre, der historische Erbe der klassischen Moderne sei. Weimar hatte sich lange Kritik gefallen lassen müssen, dass es sich zu sehr auf die Klassik stütze und das frühe Bauhaus, eben da erfunden, den Übergang in die Moderne, ignoriere.
Spätestens seit dem Gründungsjubiläum 2009 ist das ganz anders, der freche Slogan „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ und Dutzende originelle Ausstellungen haben die Wahrnehmung nachhaltig verändert; das künftige Bauhaus-Museum wird einer großen Sammlung endlich den angemessenen Raum bieten. So weit, so gut. Doch was ist mit Dessau?
Weimar schafft einfach Fakten
Die Stiftung Bauhaus dort krankt noch immer an der lustlosen Ära unter ihrem vormaligen Direktor Omar Akbar, der eine kleine, nicht sehr erhellende Ausstellung der Dessauer Schätze erst zuließ, als ihm die Geldgeber vom Bund drohten, die Zuschüsse zu kürzen. Akbar hatte in Interviews trotzig gesagt, nach Dessau, in dieses „Mutterkloster der Moderne“, kämen die Leute nicht wegen der Löffel und der Breuer-Sessel, sondern wegen der Architektur. Der Akbar-Starrsinn hat dann auch das Jubiläumsfieber in Dessau heruntergekühlt, das Weimar und Thüringen schon Jahre vor der neunzigsten Wiederkehr der Bauhaus-Gründung heftig erfasste.
Und so kam es, trotz aller geschickten, phantasievollen Anstrengungen des neuen Dessauer Direktors Philipp Oswalt, zum Etappensieg Weimars als Mustererbe. Dessau aber, möchte man sagen, blieb auf seinen Breuer-Sesseln sitzen. Inzwischen scheint sich Weimar auch Bauhaus-Sammlungen zu sichern, die eigentlich die Dessauer Zeit spiegeln. Warum sie nach Weimar gegeben werden und nicht nach Dessau, ist zwar ganz sicher auch noch eine Spätfolge der Akbar-Ära. Aber wäre es nicht an der Zeit, den Konkurrenzstreit zu beenden? Der Dessauer Oswalt wirft Weimar diese Sammlungspolitik vor, will ein gemeinsames Konzept für die drei Institute und würde Sammlungen auch gemeinsam erwerben wollen. Und Weimar? Weimar schafft einfach Fakten. Diesen pikant-föderalen Konflikt kann wohl nur der Kulturstaatsminister in Berlin schlichten. Aber hat man ihn überhaupt schon gefragt?