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Weltweite Proteste : Ein Planet in Bewegung

  • -Aktualisiert am

„Lasst uns die Generation sein, die die Tyrannei des Öls beendet“: Die Polizei geht in San Diego gegen Demonstranten vor Bild: dapd

Heute werden mehr als 10.000 Klimaaktivisten das Weiße Haus umzingeln. Ein Netzwerk von Ökoaktivisten organisiert den weltweiten Protest.

          Auf seine Verhaftung hatte Will Bates, 27, seit fünf Jahren hingearbeitet. Am 25. August wurde er dann von einem Polizisten eines Einsatzkommandos vor dem Weißen Haus abgeführt, es fing gerade an zu regnen, Wills Hemd und seine Krawatte wurden durchnässt. Der Beamte in schwarzer Uniform fesselte Wills Arme hinter dem Rücken mit einem Kabelbinder, Will wurde fotografiert und identifiziert, und dann musste er sich in einen weißen Gefangenentruck setzen.

          Er war der 45. US-Bürger, der an diesem Tag verhaftet wurde, es war der sechste Tag der „Tar Sands Action“ in Washington. Eine Allianz von Klimaaktivisten, darunter auch James Hansen, Nasa-Forscher und der Nestor der Klimawissenschaftler in den Vereinigten Staaten, hatten zu zwei Wochen zivilem Ungehorsam vor Obamas Amtssitz aufgerufen. Sie wollen die KeystoneXL-Pipeline verhindern, die Teersande von Kanada quer durch die Vereinigten Staaten bis zu den Raffinerien nach Texas transportieren soll - eine der dreckigsten, giftigsten und klimaschädlichsten Arten, Öl zu gewinnen. Ob sie gebaut wird, ist einzig die Entscheidung von Barack Obama, er kann bis Ende des Jahres die Genehmigung erteilen oder verweigern, ohne mit dem Kongress darüber zu verhandeln. Wird sie gebaut, wäre das „Game over für das Klima“, so drückt es James Hansen aus. Während des zwei Wochen dauernden Sit-ins wurden über 1200 Menschen verhaftet, der Protest war der bisherige Höhepunkt der Klimabewegung in den Vereinigten Staaten.

          Obamas Versprechen

          Bis zu diesem Wochenende. Heute, genau ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen, werden Klimaaktivisten das Weiße Haus in Washington umzingeln und Barack Obama mit Postern an sein Versprechen aus dem letzten Wahlkampf erinnern: „Lasst uns die Generation sein, die die Tyrannei des Öls beendet.“ Wills Freund Joshua Kahn Russell bereitet in der amerikanischen Hauptstadt die Aktion vor, er ist 27 und ein erfahrener Organisator: Seit Jahren reist er quer durch die Vereinigten Staaten und trainiert alt und jung in gewaltfreiem zivilen Ungehorsam. Eigentlich hätten knapp 4000 Menschen gereicht, um rund um den Sitz des Präsidenten eine Menschenkette zu bilden, doch nun haben sich über 12000 angemeldet, sie werden mit untergehakten Armen und zwei Mann tief stehen. Sie haben alle Genehmigungen eingeholt. Es soll ein freundlicher Protest werden, kein wütender.

          Doch seit August ist viel passiert: Die politische Landschaft in den Vereinigten Staaten und weltweit ist erschüttert worden. Die Proteste von Occupy Wall Street haben der Öffentlichkeit gezeigt, wie schnell eine junge Bewegung sich vom Rande des Mainstreams zum politischen Konsens bewegen kann. „Die Occupy-Bewegungen wirken wie ein Turbolader für unsere Kampagne“, sagt Joshua.

          Er hat in den letzten Jahren einige Demonstrationen gegen das bestehende Finanzsystem organisiert, keine hatte einen großen Effekt. Aber die Idee von Occupy, dauerhafte Camps anzulegen, hat eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Nun wird sichtbar, dass der Protest gegen die Finanzkrise und gegen die planetare Ökokrise zwei Seiten einer Bewegung sind. Die gemeinsame Taktik ist es, die Frontlinien offenzulegen, konkrete Orte für die abstrakten Probleme zu finden: Wall Street für soziale Ungerechtigkeit, das Weiße Haus und die Pipeline für den Klimawandel.

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