Acht Jahre Warten haben ein Ende. Nach acht Jahren Pause gewährt die wandlungsfähigste Frau des Musikgeschäfts wieder Liveauftritte in Europa und Amerika. Wer eine Eintrittskarte für das erste Konzert auf Madonnas ausverkaufter Welttournee ergattern konnte, durfte am Samstag Abend in Barcelona Zeuge einer technisch perfekten Show werden, mit der sich das „Material Girl“ von 18.000 spanischen Fans feiern ließ.
Dass die Diva nicht im visuellen Feuerwerk unterging, verdankte sie einer intelligenten Choreographie und ihrer Bühnenpräsenz. Wo Madonna auf den mobilen Bühnenebenen in wechselnden eleganten Kostümen auftauchte, stand sie unumstritten im Mittelpunkt. Madonna, die so viele Trends geschaffen hat wie keine andere Sängerin vor ihr, zelebrierte ihre Wandlungsfähigkeit in unterschiedlichsten Kostümen. Die Fans jubelten der 42-Jährigen in ihren Inkarnationen als Geisha, Cowgirl und moderner Tänzerin zu.
Ihre Bühnenshow zeigte vor allem eines: Madonna ist als Star ein Gesamtkunstwerk. Das Spiel mit Rollen und Kostümen (überwiegend von Jean Paul Gaultier) beherrscht sie immer noch wie wohl keine andere. Ihre erotischen Anspielungen sind aber subtiler geworden, ihre Bühnenankunft im schottischen Kilt über einer Lederhose mutete geradezu konservativ an - eine Hommage an ihren schottischen Ehemann Guy Ritchie.
Auf Eroberung aus
In anderthalb Stunden sang Madonna vor allem Lieder aus ihren letzten beiden Alben „Music“ und „Ray of Light“, aber auch neue Versionen alter Hits wie „Holiday“ und „La Isla Bonita“. „Madonna erobert Barcelona“, jubelte die spanische Zeitung „El Pais“ am Sonntag.
Den letzten Teil der Show hatte Madonna in „Latino“-Ästhetik gestaltet, mit vielen Kerzen und Torero-Paaren, die Tango tanzten. Dazu lief die Instrumental-Version von „Don't Cry For Me Argentina“, Madonna erschien mit Evita-Frisur und sang „What It Feels Like For A Girl“ auf Spanisch. Außer sich gerieten die Fans entgültig bei einer spanischen Version von „La Isla Bonita“ und dem katalanischen Ausruf „Visca Barcelona!“ (“Lang lebe Barcelona!“), den die Sängerin ihren Fans zurief.
Zum Schluss sang die zweifache Mutter in einem T-Shirt, auf dem „Mother“ prangte, „Holiday“, ihren ersten Hit, und „Music“, der Song, mit dem sie ins neue Jahrhundert trat. Auf dem Videobildschirm gab es dazu Bilder aus ihrer langjährigen Karriere, zum Abschied fielen goldene Papierschnipsel auf die jubelnde Menge. Auf eine Zugabe warteten die applaudierenden Zuschauer jedoch vergeblich zehn Minuten lang.
Mitte Juni Konzerte in Berline
Vor dem Konzert hatten viele Fans direkt vor der Halle campiert. Weder die relativ hohen Eintrittspreise noch weite Wege erwiesen sich als Hindernis: Bis aus dem 1.000 Kilometer entfernten Malaga reisten sie an, um die „Madonna-Mania“ zu erleben. Am Sonntagabend tritt Madonna noch einmal in Barcelona auf. Danach geht es weiter nach Mailand. Die deutschen Fans können Madonna in Berlin am 19., 20., 22. und 23. Juni sehen. Die geplanten Auftritte in Köln, die Anfang Juni der Weltstart der Tournee sein sollten, waren wegen „technischer Probleme“ abgesagt worden. Abschluss des europäischen Teils der Europatournee ist am 12. Juli in London. Die dreimonatige Welttournee endet am 14. September in Los Angeles.
Hohen Gewinn werfen derzeit die bei Internetauktionen angebotenen Madonna-Tickets ab: Für eine Eintrittskarte in Philadelphia wurden am Sonntag bei Ebay.com 585 Dollar (1.350 Mark/690 Euro), für eine in Manchester 280 Pfund (890 Mark/450 Euro) geboten.