03.07.2003 · Das antike Assur im Irak und das wegen seiner Buddha-Statuen berühmte Bamian-Tal in Afghanistan sind von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden. Bremens Altstadt hingegen wurde nicht berücksichtigt.
Als „politisches Signal“ hat die Unesco das antike Assur im Irak und das wegen seiner Buddha-Statuen berühmte Bamian-Tal in Afghanistan zum Weltkulturerbe erklärt und zugleich auf die rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Beide Stätten wurden in die entsprechenden Listen der UN-Organisation für Kultur, Erziehung und Wissenschaft (Unesco) in Paris aufgenommen.
Dem Unesco-Welterbe-Komitee wurden insgesamt 38 Vorschläge aus 32 Ländern unterbreitet. Der deutsche Antrag, Bremen auf die Welterbeliste zu setzen, fand keine Zustimmung. Bisher stehen auf der Liste 730 Kultur- und Naturstätten in 125 Ländern.
Die Aufnahme des Bamian-Tales „symbolisiert die Hoffnung der internationalen Gemeinschaft, daß sich Handlungen extremer Intoleranz wie die vorsätzliche Zerstörung der Buddha-Statuen niemals wiederholen“, hieß es nach Angaben der Unesco von Donnerstag. Auch die Aufnahme der einstigen assyrischen Hauptstadt Assur wird von der Unesco als politische Zeichen verstanden, da die Organisation bereits kurz nach Ausbruch des Irak-Krieges vor der Zerstörung von Kulturstätten zwischen Euphrat und Tigris im früheren Mesopotamien gewarnt hatte.
Beschossen und zersprengt
Trotz weltweiter Proteste hatten im Bamian-Tal islamischer Eiferer der Taliban-Führung im März 2001 die Buddha-Statuen aus der Zeit zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. mit Panzergranaten beschossen und schließlich gesprengt. Assur am Ufer des Tigris war vor dem Irak-Krieg durch ein Staudamm-Projekt gefährdet. Die Ruinenstadt mit einer über viertausendjährigen Geschichte sei dem Verfall preisgegeben, hieß es bei der Unesco. Dieser mangelnde Schutz in Verbindung mit einer möglichen Wiederaufnahme des Staudamm-Projekts habe die Einstufung als gefährdetes Kulturgut gerechtfertigt.
Schon im Januar hatte die Organisation den Regierungen in Washington und London detaillierte Karten mit den wichtigsten archäologischen Fundstätten zukommen lassen und auch den Schutz des Nationalmuseums in Bagdad angemahnt - ohne die späteren Plünderungen verhindern zu können. Der stellvertretende Unesco-Generaldirektor Mounir Bouchenaki hält sich zur Zeit in Bagdad auf, um sich über Schäden und Plünderungen zu informieren.
Einsturzgefährdet
Im Bamian-Tal drohen die Überreste der Buddha-Statuen in ihren Nischen einzustürzen, Wandmalereien in den Höhlen verwittern und zu den weiteren Bedrohungen gehören Plünderungen und illegale Ausgrabungen. Ferner sind einige Teile der historischen Stätten wegen Anti-Personen-Minen unzugänglich. „Die Übergangsregierung in Kabul betrachtet den Wiederaufbau der weltberühmten Statuen als absolute politische Priorität“, hatte Paul Bucherer, Leiter des Afghanistan-Museums im schweizerischen Bubendorf bei Basel, bereits Anfang 2002 berichtet. Bucherer war im Auftrag der Unesco in Afghanistan und hatte sich mit Hamid Karsai, dem Chef der Übergangsregierung, auf die Wiederrichtung der Kunstwerke geeinigt. Die beiden Statuen sind mit 38 und 54 Metern Höhe die weltweit größten Standbilder ihrer Art. Viele buddhistische Organisationen hätten bereits ihre finanzielle Unterstützung signalisiert.
Mit der Einstufung als gefährdetes Welterbe will die Unesco das öffentliche Bewußtsein für den dringenden Schutz dieser Stätten schärfen. Gleichzeitig werden dadurch nationale und internationale Finanz- und andere Hilfsmaßnahmen leichter zugänglich. Es geht darum, die Stätten vor allen Bedrohungen zu schützen: vor Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Plünderungen, Krieg und unkontrolliertem Tourismus.