19.01.2004 · Das sogenannte „Dschungel-TV“ ruft in diesen Tagen eine schier unübersichtliche Vielzahl von Mahnern und Warnern, Kritikern und Politikern auf den Plan. Eine Übersicht von A wie Abenteurer bis V wie Verbraucherschutzministerin.
Das Wort „umstritten“ gehört zu den beliebtesten Prädikaten in der PR-Maschinerie der Medien. Und wenn die Fernsehsender, Boulevardblätter und Plattenfirmen nicht gleich selbst diese Vokabel unters Volk jubeln, sprechen sie kaum vornehmer von der Eigenschaft ihres Produkts zu „polarisieren“.
Und man könnte meinen, daß es Leute gibt, Warner, Mahner, Kritiker, Politiker, die auf Stichworte wie diese nur warten. Um zu klappern, wie es zu ihrem Handwerk wohl gehört. Eine Fernsehsendung mit Aufzeichnungen aus dem australischen Dschungel ruft in diesen Tagen einen Vielklang solcher Klapperer auf den Plan. Wohl jeder von ihnen hofft insgeheim, ein wenig des Scheinwerferlichts medialer Aufmerksamkeit, in dem das sogenannte „Dschungel-TV“ derzeit ausgeleuchtet wird, falle auch auf ihn. Dabei wird ihre Zahl und ihre Intention langsam verwirrend.
Als kleine Hilfestellung bietet FAZ.NET folgende Übersicht von A wie Abenteurer bis V wie Verbraucherschutzministerin - freilich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Irgendwer protestiert immer.
Der Abenteurer
Rüdiger Nehberg, Überlebenskünstler, nennt die Show „langweilig und schwachsinnig“, überhaupt nicht gefährlich, die Schlangen nicht giftig. Richtiges Survival sei etwas anderes.
Der Bildungsminister
Steffen Reiche, Brandenburgischer Bildungsminister, ruft zum Abschalten auf: „Die Macher dieser Sendung verstehen die Sprache der Zuschauer, die abschalten, besser als die der Richter.“
Der Bildungssenator
Klaus Böger, Berliner Bildungssenator, pflichtet bei: „Abschalten ist das beste, was passieren kann, damit dieser Sender merkt, daß die Menschen solchen Unfug nicht sehen wollen.“
Die Familienministerin
Christa Stewens, bayerische Familienministerin, sieht in der Sendung eine „schamlose Kommerzialisierung des Werteverfalls“, einen „gefährlicher Dammbruch im deutschen Privatfernsehen“. Sie fordert die Absetzung.
Der Innensenator
Dirk Nockemann, Hamburger Innensenator, zieht Parallelen: „Das Ganze erinnert an römische Gladiatorenkämpfe.“ Er fordert: „Juristisch soll ein Verbot geprüft werden.“
Der Intendant
Fritz Raff, Intendant des Saarländischen Rundfunks, findet, die Teilnahme der Kandidatin Lisa Fitz, die als Kabarettistin die Sendung „SR-Gesellschaftsabend“ moderiert, sei verheerend für das seriöse Kabarett. Er sehe keine gemeinsame Zukunft mehr. Konsequenz: Der SR trennt sich von Lisa Fitz.
Der Landesmedienschützer
Wolf-Dieter Ring, Chef der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, fordert, die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) möge derartige Sendungen künftig vor der Ausstrahlung prüfen.
Noch ein Landesmedienschützer
Gerd Bauer, Vorsitzender der Landesmedienanstalt Saarland, fürchtet, nicht ausreichend berücksichtigt worden sei die psychologische Wirkung auf die Zuschauer, die die Stars vererhten und teilweise sogar vergötterten.
Der ehemalige Landtagsabgeordnete
Dietrich Freiherr von Gumppenberg, früherer bayerischer Landtagsabgeordneter, befürchtet ernsthafte psychische und körperliche Schäden für die Kandidaten und vermutet verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Er fordert eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro. Gumppenberg hat Strafanzeige gegen die RTL-Führung erstattet.
Die Psychologin
Ines Vogel, Medienpsychologin, warnt: „Es treten Situationen auf, wo posttraumatische Streßsymptome folgen können“, beispielsweise Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen.
Der Tierschutz-Verein
Der Bund gegen den Mißbrauch der Tiere hält die Sendung für „ethisch verwerflich und menschlich unwürdig“. Die Dschungelprüfungen seien „purer Streß für die Tiere“. Tier und Natur würden zu Spielzeugen umfunktioniert. Außerdem verhielten sich die Kandidaten nicht so ruhig, wie es in einem Schutzgebiet angemessen sei, sondern verbrächten ihre Zeit unter anderem mit „lauten Gesängen“. RTL solle die Sendung absetzen. Falls der Sender nicht reagiert, sollten die Prominenten gemeinsam aus der Show aussteigen.
Die Verbraucherschutzministerin
Renate Künast, Bundesverbraucherschutzministerin: „Wir müssen sehen, ob hier nicht erheblich gegen den Tierschutz verstoßen wird.“ Sie fordert eine Überprüfung der Sendung.