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Wellenreiter Mit Sicherheit

23.07.2004 ·  Vielleicht zu allererst ist Christoph Schlingensief ein Medienkünstler. Und dieser Teil seiner „Parsifal“-Inszenierung ist schon jetzt ein voller Erfolg: Alle schreiben über den Hasen, den Tod und die Angst.

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So viel ist schon mal klar: Es wird Blut fließen. Weiß die „Bild“-Zeitung. Er „setzt sich der Angst aus“, hat die „Frankfurter Rundschau“ schon vor Tagen erfahren, und „es müßte schon mit einem üblen Teufel zugehen, wenn davon am 25. Juli abends auf dem Grünen Hügel nichts zu spüren sein sollte“.

Da haben sich zwei, drei gefunden: Schlingensief, Parsifal und Bayreuth, und auch wenn erstgenannter nicht eigentlich ein Medienkünstler wäre, dessen Arbeiten immer auch Reflextests für Journalisten sind: Die Medien können es kaum noch abwarten bis zur Eröffnungspremiere bei den Wagners an diesem Sonntagabend.

Unsterblichkeit, verschmäht

Im „Bayerischen Rundfunk“ distanziert sich der Parsifal-Sänger von der Inszenierung, ein unverlangt auftauchender Aktionskünstler will unter dem Motto „Parsifal für alle - Erlösung von dem Übel“ auf dem Grünen Hügel demonstrieren, und der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ verspricht Schlingensief in einem Interview einen „Riß im Publikum“, der „keine einfachen Erklärungen erlauben“ wird.

Was Christoph Schlingensief in Interviews versprochen hat: Einen Hasen, immer wieder auftauchend, in seiner totalen Vieldeutigkeit („Frankfurter Rundschau“). Viele Hasen („Bild“). Der Hase, weiß das österreichische Magazin „News“, sollte in der afrikanischen Mythologie im Auftrag der Götter den Menschen die Unsterblichkeit bringen. Die nahmen ihn aber nicht ernst.

„Der irre Kettensäge-Künstler“

Kann man, muß man Schlingensief ernstnehmen? Wenn er im „Opernglas“ behauptet: „Ich empfinde mich ganz 'werktreu'“? Oder wenn er dem „Stern“ ein „superwichtiges“ Schlußbild verspricht, das „für Wagnerianer vielleicht unverständlich ist“?

Mit dem Schlußbild ist ohnedies alles vorbei. Diese Annahme hat jedenfalls die „Bild“-Zeitung offensichtlich dazu getrieben, jetzt noch schnell mit der Überschrift zu kommen, die in drei Tagen schon nicht mehr möglich ist: „Womit schockt der irre Kettensäge-Künstler Schlingensief Bayreuth?“ Dabei hat der Künstler seiner Kettensäge längst abgeschworen. Aber auch im Kino ist es schließlich immer dann am gruseligsten, wenn die Tür sich knarzend öffnet, und noch niemand weiß, welch Schrecken wohl dahinter steckt. „Eins scheint sicher“, schreibt das Schreckblatt, „es fließt Blut am Sonntag. Mit Sicherheit auf der Bühne. Vielleicht sogar im Publikum.“

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