Fernsehpreise hat Harald Schmidt wahrlich zur Genüge erhalten, doch für seine Sendung am Donnerstag hätte er einen weiteren verdient - und sei es einer für Zivilcourage. Am Nachmittag hatte die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe den Sat.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann, Schmidts Freund und Förderer, vor die Tür und den Schweizer Roger Schawinski auf seinen Platz gesetzt, obgleich es mit dem Sender unübersehbar aufwärtsging. Daß Schmidt das Thema am Abend erwähnen würde, war das Mindeste, was man von ihm erwarten durfte, in welcher Form und Ausführlichkeit er es tat, war dennoch bemerkenswert.
Daß Harald Schmidt im deutschen Fernsehen eine einzigartige Narrenfreiheit genießt, macht es ihm fraglos leichter, Rückgrat zu zeigen; man sollte aber nicht vergessen, daß er sich diese Unantastbarkeit hart erarbeitet hat und stets die Rückendeckung Martin Hoffmanns hatte. Der ist nun nicht mehr da. Wie er mit seinem Aushängeschild Harald Schmidt umgehen wird, das ist eine der großen Herausforderungen, an der man den neuen Sat.1-Chef Schawinski messen wird. Wir protokollieren Auszüge aus dem Gespräch, das Schmidt in seiner Show am Donnerstag abend mit seinem Redaktionsleiter Manuel Andrack führte.
Schmidt: Was gibt's Neues aus der Welt der Medien? Guck mal rein bei kress.de... Was ist das? Das betrifft uns! Was? (liest vom Bildschirm ab) Schawans... Schawinski löst Hoffmann bei Sat.1 als Geschäftsführer ab. Sat.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann ist weg vom Fenster. Der Schweizer Rooger... Roschée Schawinski löst ihn ab. Was?! Mit sofortiger Wirkung. Schawinski hat sich in seiner Heimat im TV- und Printsektor getummelt. Was ist das denn für ein Vokabular?
Andrack: Getummelt. Ja, so wie ein Tümmler. Er hat sich... fischig getummelt.
Schmidt: Ja... aber er war dort sicher wahnsinnig erfolgreich.
Andrack: Keine Ahnung.
Schmidt: Getummelt?! Das ist ja wie ein Tummelplatz. Getummelt. Er tummelt sich so überall, ist mal hier, mal da. Wirklich? Geht das noch weiter? (liest) So gründete er den landesweiten Fernsehsender Tele 24. Oh. Buchautor ist er auch. Einer der Titel: „TV-Monopoly. Die Insider-Story“. Kennst Du Herrn Schawinski?
Andrack: Nee. Du?
Schmidt: Nein. Schon mal gehört?
Andrack: Ja, also heute...
Schmidt: Ja, heute zum ersten Mal. Ich eben auch nicht.
Andrack: Echt nicht?
Schmidt: Nein... wieso? Na also, wenn man... „getummelt“. Äh... Das heißt, wir haben jetzt einen neuen Chef?
Andrack: Ja, natürlich!
Schmidt: Das ist überraschend für mich! (...)
Andrack: (liest) Schawinski moderierte außerdem das Verbrauchermagazin „Kassensturz“.
Schmidt: Wie, bei uns?
Andrack: Nein, in der Schweiz. (...)
Schmidt: (liest) Die Ablösung von Martin Hoffmann kommt überraschend. Für mich auch! Ich bin mit ihm befreundet. Ich habe das gar nicht gewußt. Es hieß doch eigentlich: das beste Ergebnis seit vier Jahren, oder?
Andrack: Ja, Wahnsinn!
Schmidt: „Wunder von Lengede“... „Bulle von Tölz“... Anke Engelke... „Was guckst du?“... „Niedrig & Kuhnt“, „Lenßen & Partner“... unglaublich! Für mich ist es so: Für mich ist es menschlich 'n bißchen hart, aber als Mediennutte muß ich mich jetzt auf den neuen Chef einstellen. Ja, das ist so in dem Job. Wes Brot ich eß, des Lied ich sing. Jetzt kommt 'n Neuer. (mit Schweizer Akzent) Zeig mal Neues über ihn!
Andrack: Willst du mal ein Foto sehen? Ich find' keins..
Schmidt: Was soll denn das heißen: Chef von Sat.1 und kein Foto zu finden!
Andrack: Wie wird der denn eigentlich ausgesprochen: Rooger wie Willemsen oder Rodscher wie Rabbit?
Schmidt: Ich glaube „Roschée“, im Sinne von „Alles Roger“. (...) (Andrack findet doch noch ein Foto) Ich glaube, daß der bald eine eigene Show macht: „Nur die Kasse zählt“ oder so. (singt mit Schweizer Akzent) Nur die Kasse zählt... (...) Und wo lebt er jetzt, in Zürich? Er zieht aber wahrscheinlich nach Berlin als neuer Chef von Sat.1, oder? Oder fliegt er von Zürich vielleicht Mi oder Do ein?
Andrack: Der Sender läuft ja. Er hat ja eigentlich nichts zu tun.
Schmidt: Der Sender läuft ja. Die Projekte sind eingetütet, und man kann das ja heutzutage vom Handy aus machen... Ja. Das ist ja also für uns 'ne tolle Sache, oder?
Andrack: Ja, natürlich, sehr.
Schmidt: Donnerwetter.
Andrack: Absolut.
Schmidt: Ja. Kaufen wir uns Sauerstoffmasken, so wie's hier jetzt aufwärtsgeht, oder?