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Wellenreiter Gehirnwäsche per Schwammkopf

07.02.2005 ·  Der Trickfilmheld Sponge-Bob taucht in einem Video auf, das die sexuelle Orientierung der amerikanischen Kinder durcheinanderbringen könnte. Das fürchtet die christlich-konservative Organisation „Focus on the Familiy“.

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Dr. Dobson war tief beunruhigt. Ausgerechnet ein Schwammkopf könnte dazu dienen, die amerikanischen Schulkinder zu manipulieren, fürchtete der Gründer der konservativ-christlichen Vereinigung „Focus on the Familiy“ nach einem Bericht des Online-Journals „MSNBC.com“. Sogar von Gehirnwäsche war die Rede.

Es war bei den Feiern zur Wiedervereidigung George W. Bushs, als sich James Dobson mit der Warnung an einige Kongreßmitglieder gerichtet haben soll, Sponge-Bob, die beliebte Zeichentrickfigur, trete neben anderen Helden des Kinderfernsehens in einem Video auf, das nicht nur schwulenfreundlich sei, sondern zudem als Unterrichtsmaterial an 61.000 amerikanische Grundschulen verschickt würde.

Nicht nur unnötig

Das ist natürlich furchtbar. Was hilft es da, daß auf besagtem Video an keiner Stelle von Sex, sexuellen Gepflogenheiten oder sexueller Identität die Rede ist? Was tut es zur Sache, daß lediglich in den Lehrerinformationen zum Film darauf hingewiesen wird, man könne, wenn das Unterrichtsgespräch auf ungewöhnliche Familienkonstellationen käme - Stiefgeschwister, Adoptionen oder so -, einfach antworten, jede Familie sei anders, aber alle basierten auf Liebe?

Auch Dobsons Pressesprecher kann die Situation nicht entschärfen, wenn er zugibt, sein Chef habe das besagte Video zum Zeitpunkt seiner Ansprache womöglich gar nicht selbst gesehen, sei jedoch darüber informiert worden. Nicht einmal Stephen Hillenburg, Erfinder des Trickfilmhelden und seiner anarchistisch-albernen Unterwasserabenteuer, kann den Verdacht entkräften, wenn er im „Wall Street Journal“ beschwichtigt, die Sponge-Bob Show drehe sich um Toleranz an sich, und er selbst stelle sich seine Charaktere eher als asexuelle Wesen vor.

Inzwischen hat Dr. Dobson an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, es gehe ihm nicht um Sponge-Bob persönlich. Wenn allerdings die sexuelle Identität in ein Toleranzbekenntnis einbezogen werde, so „Focus on the Familiy“ auf der Website „www.familiy.org“, sei das nicht nur unnötig, sondern überschreite auch eine moralische Grenze.

Leerstelle Liebesleben

Nun ist der kleine Schwammkopf nicht die erste Figur aus dem Kinderfernsehen, auf die dieser finstere Verdacht fällt: Ernie und Bert, Bibo, Tinky-Winky von den Teletubbies und gleich mehrere Schlümpfe sollen in ihrer sexuellen Orientierung von derjenigen abweichen, die von „Focus on the Familiy“ präferiert wird.

Paradoxerweise ist es gerade die Leerstelle Liebesleben, die genug Raum für solche Spekulationen bietet. Tom Kenny, Sponge-Bobs amerikanische Synchronstimme, nährte die Gerüchte, als er in einer Late-Night-Show auf NBC auf die Frage nach der sexuellen Orientierung des Schwammkopfes antwortete, jede der Hauptfiguren habe ein schreckliches Geheimnis.

Wirklich schrecklich hingegen ist wohl nur die Warnung von „Focus on the Family“, Wörter wie Vielfalt und Eintracht würden, so harmlos sie auch klängen, „oft von Schwulenaktivisten als Schutz dafür benutzt, um Kindern zu vermitteln, Homosexualität sei die moralische und biologische Entsprechung von Heterosexualität“.

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