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Samstag, 11. Februar 2012
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Wellenreiter Firmenchef in dreizehn Wochen

08.01.2004 ·  Aus dem amerikanischen Fernsehen kommt eine Lösung für die deutsche Wirtschafts- und Ausbildungskrise: Millionär Donald Trump bringt sechzehn Azubis auf den Erfolgsweg. Wer gewinnt, übernimmt eine von Trumps Firmen.

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Die Wirtschaft liegt darnieder; es fehlt an geeignetem Führungspersonal; die Betriebe bilden nicht mehr aus: So lauten die niederschmetternden Diagnosen für den Standort Deutschland. Was dagegen hilft, darüber streitet man nunmehr seit Jahren: Arbeitszeitverlängerung oder -verkürzung, Steuersenkungen, seit neuestem Elite-Unis. Dabei wäre die richtige Antwort eine ganz andere: das Fernsehen.

Und zwar, leider, nicht das deutsche. Nein, nach Amerika müssen wir wieder einmal blicken, wo der Versuch unternommen wird, ganz pragmatisch alles unter einen Hut zu bringen: Ausbildung, Aufschwung und Unterhaltung. „The Apprentice“ heißt die neue NBC-Show, die an diesem Donnerstag startet, zu übersetzen als „Der Lehrling“ oder „Der Azubi“. Über ihren Inhalt informieren uns „New York Times“ und „Washington Post“: Sechzehn solcher Azubis stehen im Mittelpunkt der Reality-Show, acht junge Männer und acht junge Frauen, und ihr Mentor ist niemand anders als Donald Trump, der für seine Risikobereitschaft und seinen Reichtum berühmte New Yorker Großunternehmer.

Dem Gewinner eine Firma

Doch Trump wäre nicht Trump und das Fernsehen nicht das Fernsehen, wenn bei dieser Ausbildung alles so verliefe wie im Lehrbuch. Statt dessen lehnt sich das Konzept an Formate wie „Big Brother“ oder das in Amerika erfolgreiche „Survivor“ an, wo die Kandidaten Mutproben und andere Aufgaben bewältigen müssen und Woche für Woche einer vom Publikum herausgewählt wird. Im Fall von „The Apprentice“ entscheiden nicht die Zuschauer, sondern allein Donald Trump, wer gehen muß. Das ist insofern fair, als Trump auch die Folgen seiner Wahl tragen muß: Der Gewinner nämlich darf ein Jahr lang die Führung einer der Trump-Firmen übernahmen, Jahresgehalt 250.000 Dollar.

Daß ein Mensch an seinen Aufgaben wächst, gilt auch für die Trump-Azubis: In der ersten Folge der Sendung müssen sie versuchen, auf der Straße Limonade zu verkaufen. Mehrere Harvard-Absolventen sind unter ihnen, aber auch einer mit Highschool-Abschluß. Während ihres Wettstreits dürfen sie in protzigen Appartments im Trump Tower in der Fifth Avenue wohnen, müssen dafür aber hart arbeiten: „Dreizehn Wochen in der Hölle“ hat Donald Trump ihnen versprochen.

Faszinierende Eindrücke

Die amerikanischen Zeitungen, die an diesem Donnerstag vorab berichten, sind in ihrer Haltung zwiegespalten. Die „New York Times“ hat einige „faszinierende Eindrücke der Realität hinter der Fernsehrealität“ gewonnen und beobachtet interessiert die unterschiedlichen Arbeitsweisen der in Männer und Frauen aufgeteilten Teams: Während die Männer sich ruhig Ziele setzten und Pflichten verteilten, debattierten und zankten sich die Frauen, bei denen sogar Tränen flössen. Die „Washington Post“ hingegen schreibt, es passiere so wenig in der Show, daß es kaum möglich sei, sich darüber eine Meinung zu bilden.

Das uneingeschränkte Interesse beider Blätter aber gilt Donald Trump: Den Kampf der Jungunternehmer um den Aufstieg verfolgen sie spürbar leidenschaftsloser als die Performance des schillernden Altunternehmers. Die „New York Times“ sieht in Trump eine „lustige, geschmacklose Karikatur“ eines realen Geschäftsmanns und erfreut sich daran, wie er für jeden seiner Auftritte aus seinem schwarzen Hubschrauber springt.

Auch die „Washington Post“ betrachtet Trump in einer Mischung aus Faszination und Ekel, zu der sich gar eine Prise Sozialneid gesellt. Aus Trumps Business-Sprüchen hört die Zeitung den Geist der Achtziger heraus, die Einrichtung seines Luxus-Appartments erinnert sie an eine „Themen-Suite in einem Las-Vegas-Hotel“. Besonders beeindruckt zeigt sich die „Post“ auch von Trumps aktueller Freundin, einer lebhaften Schönheit, die wie auf unsichtbaren Rädern durch die Räume gleite. „Die Sanftmütigen mögen tatsächlich eines Tages die Erde erben“, schreibt die Zeitung nicht ohne eine gewisse Resignation, „aber bis dahin kriegen die Reichen die heißen Bräute.“

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Von Martin Otto

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