01.12.2004 · Nicht als Devotionalie, sondern als „Teil der Popkultur“ wurde der Marientoast in der Vorwoche ersteigert. Eine Welle seltsamer Ebay-Angebote bestätigt, daß die Interessenten nicht von Volksfrömmigkeit geleitet wurden.
Es gibt diesen merkwürdigen Zusammenhang zwischen Frömmigkeit und Schlichtheit: So sind es vorrangig Menschen ohne Universitätsabschluß von den Rändern der westlichen Zivilisation, die von Marienerscheinungen berichten - gern in einem Wald, einer Höhle oder einem anderen abglegenen Ort.
Daß sich die heilige Jungfrau für ihr Erscheinen nicht auf die Natur beschränkt, zeigte das Beispiel einer auf Ebay versteigerten Toastscheibe, in deren verflossenem Käse sich mit etwas gutem Willen ein Marienbildnis erkennen läßt. Überraschend war es jedoch kein Devotionaliensammler im herkömmlichen Sinne, der das gute Stück aus dem Jahr 1994 vergangene Woche für umgerechnet 21.500 Euro erstand, sondern, einem Bericht der Zeitung „Miami Herald“ zufolge, ein in Florida ansässiges Online-Casino, das besagten Toast noch dazu zu einem „Teil der Popkultur“ erklärt hat.
Außerirdische im Angebot
Eine These, die - so betrüblich sie ist, so weit sie auch wegführt von den reinen Gefühlen der Volksfrömmigkeit - doch bestätigt wird durch eine Reihe von Trittbrettfahrern, die in ähnlich profanem Lebensmittel ähnliche Bildnisse erkannt haben und damit Geld machen wollen:
Mit dem Bildnis einer Madonna, das auf einem Panini zu sehen sein soll, wird wohl, trotz der italienischen Herkunft des Imbisses, eher der italoamerikanische Popstar von heute als die Muttergottes gemeint sein. Im bunten Ebay-Angebot waren zwischenzeitig auch ein Schnitzel mit einer Anmutung Ariel Scharons sowie, ausgleichende Gerechtigkeit von nahezu himmlischer Qualität, ein Falafel zu finden, das an den verstorbenen Palästinenserführer Jassir Arafat erinnern soll.
Eine erbsengroße Frühstücksflocke in Form des Kinolieblings E.T. hat ein Grafikdesigner aus Sydney jetzt für umgerechnet 600 Euro an den Sammler gebracht. 40 Gebote habe er auf sein Los erhalten, erzählte der 27jährige der Zeitung „Daily Telegraph“. Das ist vergleichsweise wenig, aber was ist auch ein Außerirdischer im Vergleich zur Gebenedeiten?