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Wellenreiter Eliten verzweifelt gesucht

07.01.2004 ·  Wo ist die Innovation zu Hause, wo steckt die Elite? In Deutschland jedenfalls nicht. Wer das schon befürchtet hat, der muß sich bestätigt sehen: Das traurige Ergebnis einer Internet-Recherche durch Google.

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Das Zauberwort des jungen Jahres heißt Innovation. Nicht nur in Weimar, im ganzen Land wollen wir uns künftig innovativ zeigen, in der Genforschung ebenso wie in der Bildungspolitik - und man muß sagen: endlich.

Gründlichkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit, das waren seit jeher Werte, die man den Deutschen und ihrer Arbeit zugestand. Wie aber sieht es mit der Innovation aus? Hier ist Deutschland, das doch eigentlich ganz vorne mitspielen sollte, weit zurückgefallen, wird befürchtet. Wie weit, das wollten wir einmal nachprüfen. Wo ist die Innovation beheimatet? Diese Frage haben wir im innovativen Medium Internet der innovativen Suchmaschine Google gestellt. Das Ergebnis, wie zu vermuten war, ist erschreckend.

Amerika ganz oben

Das Siegertreppchen in Sachen Suchwort „Innovation“ wird komplett von Amerika besetzt: Platz 1 für „The Tech Museum of Innovation“ im kalifornischen San Jose, Platz 2 für die „League for Innovation in the Community College“ in Phoenix, Arizona, Platz 3 für eine Innovationsseite der „American Chemical Society“. Andere Länder folgen in gebührendem Abstand. Die „Canada Foundation for Innovation“ ist dabei, Großbritannien schickt das „Centre for Innovation in Mathematics Training“ der University of Exeter ins Rennen - fraglos eine echte Elite-Uni.

Die Innovation, auf die wir stoßen, ist in überwältigender Mehrheit eine „Innoweischen“, gelegentlich auch mal eine „Innovassjo“ - aber keine deutsche Innovation. Die folgt erstmals, immerhin, auf Platz 16: Willkommen beim Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Wer die Homepage anklickt, liest die Worte „Dynamik mit Verantwortung“ und wundert sich, erkennt die Sachlage dann spätestens, als er kein Bild Manfred Stolpes erblickt, sondern das eines Herrn namens Hubert Gorbach: Nicht das deutsche Ministerium nämlich ist es, sondern sein Pendant aus Österreich. So schmachvoll es ist, so muß man doch zugestehen: Das paßt schon. Ist doch das gemütliche Nachbarland bei der Maut locker an uns vorbeigezogen. Und auf Manfred Stolpe will das Etikett „Dynamik mit Verantwortung“ irgendwie auch gar nicht passen.

Willkommen in Treptow

Erst auf Platz 54 findet sich dann die erste Innovation aus Deutschland, und sie kommt aus Berlin: „Willkommen im BEWAG Innovationspark Brennstoffzelle“. Hier, in einem Heizwerk an der Eichenstraße 7/Ecke Puschkinallee in Treptow, ist die „erste erdgasversorgte europäische 250-kW-PEM-Brennstoffzelle“ daheim, weshalb man ihr einen Innovationspark gewidmet hat. Sowie besagte Website, welche „die Bedeutung der Brennstoffzelle für unsere zukünftige Energieversorgung unterstreichen“ soll. In Treptow also glimmt ein kleines Licht der deutschen Hoffnung.

Obgleich schon hinreichend entmutigt, suchen wir ein zweites Mal - diesmal nach „Elite“. Doch auch diese findet sich überall anderswo, nur nicht in Deutschland: in Taiwan etwa, bei einem Hersteller von Computersystemen (Platz 1), in Italien bei einer Firma für „Fitness machines“ und Flaschenhalter (4) sowie bei einer aufgrund kyrillischer Schrift für uns unlesbaren Website aus Rußland (5). Mit wachsender Verzweiflung klicken wir uns durch Elite-Hotels, Elite-Sportswear, Elite-Babes aus aller Herren Länder, sogar eine Verkaufsstelle für Adelstitel entdecken wir. Und dann, auf dem hinteren Platz 159, das „European Laboratory for Intelligent Techniques Engineering“ (ELITE) - gegründet 1991 in Aachen. Von einer Ehrenrettung für Deutschland kann man hier nicht sprechen, allenfalls von einem Achtungserfolg für Aachen.

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