09.03.2004 · „Spiegel online“ hat seine Nutzer gebeten, die Politik des amerikanischen Präsidenten zu benoten. Auch amerikanische Bush-Sympathisanten machen mit - um „die deutsche Linke in den Wahnsinn zu treiben“.
Die Sache ist ernst, und ernst ist der Ton, den „Spiegel online“ anschlägt, um darüber zu berichten: Das Online-Magazin hatte seine Nutzer dazu aufgefordert, in einer Abstimmung dem amerikanischen Präsidenten Schulnoten für seine bisherige Amtszeit zu geben. Das lief auch wie erwartet, George W. Bush kam nicht allzu gut weg, bis sich am vergangenen Freitag das Meinungsbild deutlich verschob: Hatten gegen mittag gerade einmal 3,3 Prozent der Wähler Bush die Bestnote gegeben, waren es am späten Abend schon über vierzig.
Das machte die Redakteure stutzig, und bald war der Grund für den Stimmungsumschwung gefunden: die „konservative Klick-Guerilla“, wie „Spiegel online“ formuliert. Auf einer Website namens „Davids Medienkritik“, die der deutschen Berichterstattung und Kommentierung amerikanischer Regierungspolitik gewidmet ist, finden sich einige Hinweise auf das „Spiegel online“-Voting. Andere Websites und Weblogs mit Sympathie für George W. Bush stiegen ein und fordern ihre Nutzer zu einer Handvoll Klicks für eine gute Sache auf.
In den Wahnsinn treiben
„Helft, die deutsche Linke in den Wahnsinn zu treiben“, heißt es etwa in einem Weblog-Eintrag der Site „Little Green Footballs“, und David Kaspar, Betreiber von „Davids Medienkritik“, freut sich: „Die Bush-Hasser bei 'Spiegel online' kriegen einen Herzinfarkt morgen früh“. Aus der Redaktion von „Spiegel online“, dieser Speerspitze der deutschen Linken, sind bislang keine Gesundheitsschäden gemeldet worden.
Dort runzelt man die Stirn - und schreibt über die Unart, nicht nur des nachts Plakate der Gegenpartei zu überkleben und deren öffentlichen Auftritte mit Pfeifkonzerten zu stören, sondern - „nicht zuletzt“ - Abstimmungen im Internet zu fälschen. Derlei Aktivitäten werden in Amerika offenbar „freeping“ genannt, und „Spiegel online“ referiert diese Umtriebe mit Ernst und Sorgfalt.
Dennoch oder deshalb?
Dabei hätte „Spiegel online“, findet zumindest ein weiterer amerikanischer Sympathisant, auch mit „ha, ha, okay you guys got us!“ antworten und es dabei bewenden lassen können. Doch auch David Kaspar läßt es nicht bei dieser kleinen Rangelei in der virtuellen Welt bewenden. Er bedankt sich für den neuen Tageszugriffsrekord, den wohl „Spiegel onlines“ Bericht „Davids Medienkritik“ bereitet hat. Dann wird er scharf: „Daß 'Spiegel online' in einem Artikel 'Davids Medienkritik' angreift, zeigt deutlich die allergische Überempfindlichkeit seiner Redakteure allem und jedem gegenüber, das oder der ihrer Ideologie widerspricht.“
Auf „Little Green Footballs“ hingegen hat man mit einer etwas überraschenden Idee auf die Abstimmung bei „Spiegel online“ reagiert: Dort können die Nutzer die politische Leistung des deutschen Bundeskanzlers bewerten. Die Gegeneinladung zum „Freepen“? Die Abstimmung jedenfalls läuft wie erwartet, Gerhard Schröder kommt nicht allzu gut weg. Ob trotz oder wegen deutscher Beteiligung an dieser Umfrage, bleibt dabei leider offen.