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Wellenreiter Bedenklich, werbewirksam

13.01.2004 ·  Aus Comedy-Sendungen und von Partisanen-Websites beziehen junge Amerikaner ihre politische Meinung. Und das Internet war schon immer ein demokratisches Medium.

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Nach gängigem Reiz-Reaktions-Schema ein attraktiver Anlaß für den kulturpessimistischen Reflex: Es geht um Amerika, es geht um Politik, um die kommenden Präsidentschaftswahlen. Der Großteil der jungen Leute, und damit die am schwersten erreichbare Wählergruppe, bezieht ihre politische Orientierung nicht länger hauptsächlich aus den klassischen Medien, sondern aus Comedy-Shows und dem Internet.

Damit sind nicht etwa journalistische Angebote gemeint, sondern Weblogs und ähnliche persönliche Seiten. Als "partisanenhaft" bezeichnet das "Pew Research Center For The People And The Press" solche Websites in seiner Studie zur politischen Informationsbeschaffung der Amerikaner, die an diesem Sonntag vorgestellt worden ist.

Olle Kamellen

Ein weiteres Ergebnis dieser Studie: Vor allem Demokraten würden das Internet zur Meinungsbildung heranziehen. Diese Erkenntnis deckt sich zum einen mit der Erfolgsgeschichte des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Howard Dean, der seine Popularität vor allem seinem Weblog verdanken soll. Er hat bislang am erfolgreichsten das Internet als Kampagnenmedium genutzt. Daß seine Popularität inzwischen leidet, verdankt Dean hingegen einer Reihe ungünstiger Darstellungen in klassischen amerikanischen Printmedien, der "Washington Post" etwa oder der aktuellen Ausgabe der "Newsweek".

Zum anderen bestätigt die Studie eine der frühen medientheoretischen und -aktivistischen Beschreibungen des Internets als in erster Linie demokratisches Medium: Grundsätzlich jeder könne publizieren, und grundsätzlich jede Veröffentlichung sei - unabhängig von der sogenannten "Ökonomie der Aufmerksamkeit" - von allen Internetnutzern erreichbar.

Arme Kleine

Daß im Grunde genommen jeder publizieren kann, hat sich auch der "MoveOn.org Voter Fund" zunutze gemacht und einen Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Sieger an diesem Montag gekürt worden ist. In der Vermutung, Wahlwerbung sei wohl deshalb so langweilig, weil sie von dem immer gleichen Haufen altgedienter Experten in der immer gleichen Routine produziert werde, wurde im Internet dazu aufgerufen, 30sekündige Bush-kritische Spots aufzunehmen. Die Einsendungen reichten vom Kalauer über den moralisch-pathetischen Tiefschlag bis zu einigen treffsicheren und professionell produzierten Kurzfilmen, die nicht nur eine Zier jeder demokratischen Partisanenwebsite wären, sondern auch in den Wahlwerbeblöcken im Fernsehen allenfalls angenehm auffallen würden.

Der beste Beitrag, "Child's Pay" von Charlie Fisher, zeigt amerikanische Kinder am Fließband, in der Autowerkstatt, beim Müllsammeln und als Büroputzhilfen. "Wer wird wohl für Präsident Bushs Eine-Billionen-Dollar-Defizit bezahlen?", fragt der 38jährige Werbefachmann schließlich. Fisher hat allerdings noch mehr zu bieten: eine werbewirksame Biographie. Bis zum Ende der Präsidentschaft von Vater Bush im Jahr 1992 stand Fisher nämlich im republikanischen Lager. Er hat die Seiten gewechselt und steht dazu - nach gängigem Reiz-Reaktions-Schema wie auch in der Ökonomie der Aufmerksamkeit ein wichtiger Punkt.

www.Bushin30seconds.org

www.people-press.org

Quelle: @kue
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