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Donnerstag, 09. Februar 2012
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Wellenreiter Aufstand der Großmütter

21.04.2004 ·  Scharen wütender alter Frauen, die Jogger mit ihren Krückstöcken erschlagen und Autos zerkratzen: In Zeiten der Überalterung ist diese von einer Schriftstellerin gezeichnete Horrorvision durchaus ernstzunehmen.

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Für alle Frauen, die nach jahre- oder gar jahrzehntelanger Ehe wegen einer deutlich jüngeren Frau von ihren Gatten verlassen werden, hat die „taz“ an diesem Mittwoch ein paar tröstende Worte parat. Die Schriftstellerin Viola Roggenkamp, die als Mittfünfzigerin soeben einen vielbeachteten Debütroman veröffentlicht hat, erklärt ihren Altersgenossinnen: „Die junge, attraktive Frau an seiner Seite, sie, die ihn noch einmal Vater werden läßt, sie macht ihn furchtbar alt. Und das ist doch schön von ihr, denn sie ist die junge Rächerin der alten Frauen.“

Die Absicht ist löblich, ob das Argument aber wirklich trägt, ist fraglich. Zum einen wird die ältere Frau ganz gewiß nicht eine jüngere als Rächerin akzeptieren wollen, wenn gerade sie es war, die ihr den Mann wegschnappte. Zum zweiten dürfte es genügend Männer geben, denen es herzlich egal ist, wie alt sie ihre neue Partnerin aussehen läßt, solange sie selbst nur jung und frisch aussieht. Zum dritten haben die älteren Frauen junge Rächerinnen gar nicht nötig. Sie rächen sich schon selbst.

Arbeit gegen Geld

Zum Beispiel Viola Roggenkamp. Sie nämlich schreibt in besagtem, „Das Alter ist im Kommen“ betitelten „taz“-Text nicht nur über alte Männer mit jungen Frauen, sondern vor allem über sich selbst. Schenken wir ihr Glauben, so handelt es sich bei ihr um eine prinzipienfeste, im positiven Sinne altmodische Frau, die es ihren Mitmenschen nicht immer leicht macht - vor allem dann nicht, wenn diese deutlich jünger sind als sie. Da ist zum Beispiel jener junge Bettler, der um eine Spende bittet. Frau Roggenkamp bietet einen Deal: Zwei Euro für ihn, wenn er ihre Einkaufstaschen in den vierten Stock trägt. Das aber wäre dem Mann zuviel Arbeit für sein Geld.

Die Frau, die im Supermarkt heimlich Knoblauch und Orangensaftfläschchen einsteckt, kann hingegen auf Frau Roggenkamps Verständnis hoffen: Schließlich ist sie sichtlich noch ein paar Jahre älter als sie selbst, und wir „älteren Frauen müssen zusammenhalten“. So verwickelt die Autorin die Filialleiterin in ein Gespräch, und die rüstige Diebin kann entkommen.

Eine neue Frauenbewegung

Doch nicht nur beim Ladendiebstahl werden die älteren Frauen gemeinsame Sache machen. „Große Aufgaben liegen vor uns. Wir brauchen eine neue Frauenbewegung, wir brauchen den Aufstand der alten Frauen. Wir leben am längsten, wir sind wichtig“, schreibt Viola Roggenkamp und legt schon mal das Programm fest: „Breitere Bürgersteige für uns Alte, mehr Fahrstühle, kein Bahnhof ohne Gepäckträger, kein Fahrplanaushang ohne beigefügte Leselupe, Bankkredite auch für 80jährige, keine Altersgrenze bei Stipendien und Förderpreisen.“

Die Jungen werden sich in acht nehmen müssen. „Jedem werde ich meinen eisernen Krückstock zwischen die Fahrradspeichen halten. Ich werde eine biestige Alte mit einer harmlos aussehenden sogenannten Gehhilfe. Ich sehe die Helden über die Lenkstange ihres Mountainbikes stürzen, die Jogger, die mich rüde anrempeln, denen ihr Tempo wichtiger ist als meine Unversehrtheit, erschlage ich von hinten, und dem Auto, das mir gerade eben an der kleinen Querstraße um ein Haar über die Pumps gerollt wäre, verpasse ich eine lange Kratzspur.“

Als vor drei Jahrzehnten die Komiker von Monty Python eine Schar rauflustiger Großmütter eine Vorstadt terrorisieren ließen, konnte man darüber noch lachen. Viola Roggenkamps Vision aber ist in Zeiten, da die Älteren bald die Mehrheit stellen werden, durchaus ernstzunehmen. Daß die Alten schon jetzt ausgesprochen schlagkräftig sind, beweist an diesem Mittwoch die „Bild“-Zeitung, die ihre Kampagne gegen Ernst Welteke fortsetzt. Seinen Job ist er bereits los, „Bild“ aber will ihm auch noch das Ruhegeld von 15.000 Euro im Monat abknöpfen und führt die schwersten Geschütze auf, die in diesem Fall denkbar sind: Fünfzehn verbitterte Rentner, die sich über ihre Rente von weniger als 1000 Euro beklagen. Keine Frage: Für Welteke wird es sehr, sehr schwer werden.

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