13.07.2004 · Auf einer Alm in Südtirol wird verwurstet, was im Realityshowbusiness auf dem Markt ist: Das "Schwarzwaldhaus" vom SWR, Paris Hiltons gackernder Ausflug ins normale Leben, "Big Brother" und das Dschungelcamp.
Pro Sieben war einmal ein origineller Sender. Es dauerte ein bißchen, bis der jugendlichere der beiden Hauptkanäle aus dem Hause Pro-Sieben-Sat.1 seine Form gefunden hatte, doch war diese, mit einer Comedy á la Michael "Bully" Herbig mit einer gewissen Genialität, und, im Falle von Stefan Raab, wenigstens mit ein paar musikalischen Effekten gefüllt. Wäre da nicht die Kopiersucht.
Diese hat jetzt dazu geführt, daß man das Dschungelcamp von RTL ins Hochgebirge verlegt und dort in einem alten Bauernhaus sieben Zeitgenossen einquartiert hat, die man in der Fachsprache "C-Prominente" nennt, das Fähnlein der sieben Viertels-Bekannten sozusagen. Ihre Abenteuer auf dem Bauernhof werden zugerichtet von Sonya Kraus und Elton, die noch geistloser sind als es Sonja Zietlow und Dirk Bach bei RTL waren. Was dort das Kakerlakenschlangenwurmegelbadessen war, ist bei Pro Sieben die Verrichtung für den "Sepp des Tages", von dem klar ist, daß er oder sie aufgrund der gestellten Aufgabe zum Depp des Tages wird.
Nicht Kaders Welt
Die schöne Kader Loth, die auf "Der Alm" gelandet ist, nachdem sie aus dem "Big Brother"-Haus flog, sollte gestern in Gülle baden. Dabei wußte sie sich schon mit dem Plumpsklo für alle nicht anzufreunden. "Das ist nicht Kaders Welt", sagte sie im Kamerastüberl, in dem der wahre Senner, den die Kandidaten heimsuchen, zum Auftakt entgeistert herumirrte. Das Fähnlein der sieben Anal-Phabeten also? Hier wird mit der Schraubzwinge zusammengepreßt, was im Realityshowbusiness auf dem Markt ist: Das "Schwarzwaldhaus" vom SWR, Paris Hiltons gackernder Ausflug ins normale Leben in "Simple Life", "Big Brother" und das Dschungelcamp.
Das Ergebnis aber ist nicht halb so unterhaltsam wie die Zeltlager-Fahrten, die der eine oder andere in seiner Jugend selbst unternommen hat. Aber vielleicht ist der Urlaub auf einem nicht vollklimatisierten Bauernhof ohne Wellnessbereich uns so ferngerückt, daß ein Ausflug auf "Die Alm" exotischer scheint als eine Expedition zum Nanga Parbat. Wenn sie der Narren-Prominenz doch wenigstens etwas Vernünftiges zu tun gäben. Daß es mit einem Gülle-Bad beginnt, sagt alles. Und daß sich Pro Sieben mit 2,78 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 20,5 Prozent in der "Zielgruppe" der Vierzehn- bis Neunundvierzigjährigen glücklich schätzt, auch.
Sonst noch was? Ach ja: René Weller bewahrt seine Schlüpfer säuberlich gefaltet auf dem Nachtisch auf. Was seinen Bettnachbarn DJ Soost unangenehm berührt. Wollten Sie es so genau wissen? Sollen wir noch erzählen, wie das mit der einen Dusche für 150 Jungs im Zeltlager der katholischen Jugend in der Eifel 1978 war? Nein? Dann es ist ja gut.