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Weihnachtsbuch : Verkaufte Lust

Es gibt sie noch, die Bücher, die die Herzen der Buchhändler höher und die Pulse der Leserinnen schneller schlagen lassen: „Fifty Shades of Grey“ und kein Ende.

          In seiner Besprechung von „Fifty Shades of Grey“ in der „London Review of Books“ schreibt Andrew O’Hagan, er vermute, das Buch habe die Mütter dieser Welt deshalb im Sturm genommen, weil es kein Durcheinander auf dem Teppich gibt und hinterher heiß geduscht wird. Vielleicht ist doch mehr Ekstase im Spiel?

          Die ungebremst leidenschaftliche Rezeption hierzulande legt diesen Schluss jedenfalls nahe. Auf den Kommentarseiten der deutschen „Shades of Grey“-Fanseite überboten sich die Leserinnen mit hysterischer Drängelei bis hin zu Selbstmorddrohungen. Auf den Tag zwei Monate vor Weihnachten wurde dem Handel der dritte und letzte Band der Sadomaso-Romanze beschert, das Gemaunze wurde leiser, weil gelesen wurde, aber ganz gelegt hat sich die Aufregung nicht.

          Fortsetzung vorstellbar

          Post coitum wurden die Leserinnen triste. Was frau denn nun lesen solle? Und ob es nicht möglicherweise einen vierten Band geben könnte? „Hammerhart“ sei das gewesen: Noch nie habe sie so einen massiven Ansturm der Kundschaft erlebt, sagt Barbara Heinzius, die als Lektorin beim Goldmann Verlag die Trilogie eingekauft und betreut hat. Von Ahnungslosigkeit bis zur Verschwörungstheorie, der Verlag halte das Buch zurück, von lustigen und sehr sonderbaren Reaktionen berichtet sie.

          Viele Leserinnen - Heinzius schätzt ihren Anteil auf 99,9 Prozent - hätten jetzt den Blues. Obwohl die Autorin E.L.James angedeutet hat, ein neuer Roman sei vorstellbar, vielleicht eine Fortsetzung, auf jeden Fall werde Erotik im Spiel sein.

          „Mummy Porn“ triff den Produktkern

          Derzeit schwappt eine Welle von Nachahmerprodukten in die Lektorate, die Aussicht auf Erfolg dürfte gering sein. Einen zweiten Harry Potter schreibt keine, das hat J.K. Rowling gerade bewiesen. Aber die Abhängigkeit des Handels von immer weniger Titeln setzt sich fort, auch wenn der kommerzielle Erfolg der Trilogie nach Anfängen im E-Book nun ganz überwiegend mit dem P-Book, dem gedruckten Buch gemacht wird. Echte Körper bevorzugt:

          Die nicht mehr ganz jungen weiblichen Käufer - der englische Gattungsbegriff „mummy porn“ trifft den Produktkern - habe das physische Buch zum salonfähigen Kultobjekt gemacht, behauptet Heinzius.Keine Frau schäme sich, damit in Flugzeug, Bahn oder Bus gesehen zu werden.

          Noch immer wächst die Hingabefrequenz. Band eins benötigte zwei Wochen, um eine Million Mal in Deutschland verkauft zu werden, Band zwei eine Woche. Band drei ging gleich siebenstellig an den Start. Die Gesamtauflage nähert sich den fünf Millionen. Fesselspiele und Peitschenknallen retten das Weihnachtsgeschäft. Und die weiteren Aussichten - gräulich.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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          Quelle: F.A.Z.

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