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Weihnachten in Südafrika : Ikrisimesi yeah!

  • -Aktualisiert am

Junge Xhosa Bild: Natasha Dyer

Ins Meer springen, Kühe schlachten, Medizinmann aufsuchen - Xhosa und Zulu in Südafrika wissen, wie man gehörig Weihnachten feiert und das ganz ohne Baum und Gans.

          Das ganze Jahr freuen sich unsere Xhosafreunde auf die Tage, wenn gemeinsam gebadet, gelästert und gegessen werden kann, denn das Weihnachtsfest der Xhosa findet nicht unterm Baum, sondern an Südafrikas Stränden und zu Hause im ländlichen Ostkap statt. Hunderttausende machen sich jedes Jahr in überfüllten Minibussen auf den Weg in ihre Heimatregion, in der die Clans noch regieren und die Flussgeister Jungfrauen verführen. Überhaupt werden an Weihnachten Dinge getan, die man sonst nie tut: den Medizinmann der Familie aufsuchen, eine fette Kuh schlachten oder die Wohnung der Eltern neu streichen.

          Der schöne Irrsinn findet jedes Jahr seinen ersten Höhepunkt am zweiten Weihnachtsfeiertag. Die Alteingesessenen fürchten sich, und die Rettungsschwimmer vervierfachen sich an diesem Tag, wenn das Volk ans Meer und ins Wasser rollt. Busse bringen Tausende von schwitzenden, fröhlichen Familien an die langen schönen Strände, bis man den hellen Sand kaum noch sieht, denn am zweiten Weihnachtsfeiertag und am ersten Januar baden alle, die sonst Wasser nur trinken. In Durban ist der Flashmob so groß, dass die Rettungsschwimmer die Menge mit Schlauchbooten zurückdrängen müssen, damit niemand in die Hainetze schwimmt.

          Die Weihnachtsgans kennt man nicht

          Im West- und Ostkap sind es die Xhosa, um Durban die Zulu, aber die Wasserparty ist überall gleich, mehrere Generationen plantschen in Unterhosen, Büstenhaltern, Kleidern und die Kinder manchmal sogar nackt. Und das an den einst nur für Weiße reservierten Stränden. Um den Schock und die Begeisterung über diese schöne Anarchie noch besser zu verstehen, muss man sich Südafrikas endlose Sandufer das ganze Jahr menschenleer vorstellen. So unberührt und weit sind sie, dass die Einheimischen schon von Menschenmengen sprechen, wenn sie mehr als vier Spaziergängern begegnet sind. Und die paar Farbkleckse, die man sonst sieht, sind Urlauber (Deutsche liegen parallel auf ihren Handtüchern), Kitesurfer (Schwaben und Einheimische) und Teenager, die in den Dünen heimlich trinken und knutschen.

          17 Jahre nach Ende der Apartheid könnte das Fest nicht unterschiedlicher sein. Der deutsche Nachbar zieht mit seiner Axt los, um eine kleine Fichte im Veld zu mopsen, die Coloureds und Buren überbieten sich mit Blinkesternen und Leuchtketten an ihren Häusern, die Engländer knabbern ihre Mince Pies, und die Xhosa setzen sich einen Tag und eine Nacht in den Bus, um endlich mal wieder in die Heimat zu fahren. Nicht dass unter Xhosa und Zulus die christliche Weihnachtstradition fehlte. Missionare haben dieses Land in jeder Ecke beackert, und Mandela sagt, er verdanke ihnen das Verständnis seiner modernen Xhosakultur. Aber auf die Idee, um einen Baum sitzend andächtig Geschenke auszupacken, kommen unsere Xhosafreunde nicht. Auch von der Weihnachtsgans hat man hier noch nie gehört. Das Weihnachtsfest ist ein Fest ohne Weihnachtslieder, seufz, ohne Lametta, jauchz, und ohne dicke Männer in roten Samtanzügen, juchhe!

          Die Flüche müssen erledigt werden

          Für unsere Freundin Ntombi ist Weihnachten die Zeit, in der sie, wie viele alleinerziehende Mütter, ihre Kinder wiedersieht. Alle legen zusammen, und das Familienhaus wird hergerichtet, Klatsch und Tratsch werden ausgetauscht und die eigenen Kinder bewundert, Essen wird laut und im Übermaß gekocht, weißer Mais und braune Bohnen werden zum Umngqusho mit fettem Schaf gekocht und mit wildem Spinat serviert, Hühnchen in Chili und Curry wird gegrillt, Sorghum-Bier wird gebraut, Milch zu Amasi gesäuert und Schafskopf in heißen Kohlen zum Smiley geröstet (der angesengte und blanke Schädel grinst).

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