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Israels Flüchtlingspolitik : Portman boykottiert Preisverleihung

  • Aktualisiert am

Natalie Portman wurde 1981 in Jerusalem geboren. Bild: dpa

Die Schauspielerin Natalie Portman hat ihre Teilnahme an der Verleihung des renommierten Genesis-Preises in Jerusalem abgesagt. In ihrer Begründung kritisiert sie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Israelische Politiker reagieren mit scharfer Kritik.

          Hollywood-Star Natalie Portman hat ihren Verzicht auf eine Preisverleihung in ihrer Geburtsstadt Jerusalem mit Kritik an der Regierung Israels begründet. Sie habe den Eindruck vermeiden wollen, dass sie den als Redner geladenen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unterstütze, erklärte Portman am Samstagmorgen auf Instagram. In ihrer Mitteilung heißt es: „Wie viele Israelis und Juden in aller Welt kann ich kritisch zur Führung Israels stehen, ohne die gesamte Nation boykottieren zu wollen.“

          Die in Israel geborene Oscarpreisträgerin sollte Ende Juni mit dem Genesis-Preis 2018 ausgezeichnet werden, der auch als „jüdischer Nobelpreis“ bezeichnet wird. Er ehrt den Veranstaltern zufolge Menschen, die durch ihre Leistung inspirieren und sich für jüdische Menschen und Werte engagieren, und ist mit einer Millionen Dollar dotiert. Diese sollten auf Portmans Wunsch dem Kampf für Frauenrechte zugute kommen, wie die Stiftung im November angekündigt hatte.

          Israelische Politiker reagierten empört. Kulturministerin Miri Regev warf der Schauspielerin nach einem Bericht der „Jerusalem Post“ vom Freitag vor, dem Druck der BDS-Bewegung nachgegeben zu haben, die sich für einen Boykott Israels einsetzt. Der Parlamentsabgeordnete Oren Chasan von der Regierungspartei Likud verlangte laut „Jerusalem Post“, Portman die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen.

          „Misshandlung und Gräueltaten“

          In ihrer Begründung erklärte Portman, Israel sei als Rückzugsraum für jene gegründet worden, die vor dem Holocaust flohen. „Aber die Misshandlung all jener, die heute unter Gräueltaten leiden, entspricht nicht meinen jüdischen Werten. Weil ich mich um Israel sorge, muss ich aufstehen gegen Gewalt, Korruption, Ungleichheit und Machtmissbrauch.“

          Die Veranstalter kündigten an, die Gala in Jerusalem abzusagen. Sie respektierten das Recht, öffentlich der Politik der israelischen Regierung zu widersprechen, fänden es aber traurig, dass die Oscar-Preisträgerin der Zeremonie „aus politischen Gründen“ fernbleibe. „Wir fürchten, dass Frau Portmans Entscheidung unsere karitative Initiative politisiert. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren alles getan, dies zu vermeiden.“ Die israelische Tageszeitung „Haaretz“ berichtete am Freitag unter Berufung auf eine Quelle innerhalb der Stiftung, Portman werde das Preisgeld trotzdem bekommen und wie geplant spenden.

          Bei Massenprotesten im Gazastreifen sind seit Ende März Dutzende Palästinenser getötet und Hunderte durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt worden. Es ist der schlimmste Gewaltausbruch seit dem Gaza-Krieg 2014. Das Vorgehen der Armee wurde unter anderem von Menschenrechtsorganisationen als unverhältnismäßig kritisiert.

          In der Dachzeile dieser Meldung hatte es in der ersten Version geheißen, Portman habe sich auf „Gräueltaten“ im Gazastreifen bezogen. Da dies nicht der Fall ist, haben wir die entsprechenden Textstellen angepasst.

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