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Kommentar : Dachschäden des Berliner Stadtschlosses

Was passt hier hin? Die Kuppel des Berliner Stadtschlosses ist noch nackt – und nicht einmal fertig. Bild: dpa

Ein Preußenkreuz auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses wäre ein falsches Signal? Was auch immer an seiner Stelle stehen könnte, führt zu weiteren Problemen mit dem moralsymbolpolitischen Imperativ.

          Vor einigen Tagen kam ein prima Vorschlag: Statt des umstrittenen Kreuzes solle, so forderte ein Humanistenverband, auf der Kuppel des wiedererfundenen Berliner Stadtschlosses ein Mikroskop angebracht werden. Es müsse natürlich ein großes Mikroskop sein, ein Makrosmikroskop gewissermaßen, damit man es überhaupt sieht. Der erwünschten religiösen Neutralität des Symbols wäre damit jedenfalls Rechnung getragen. Nicht nur entspreche es dem aufklärerischen Geist der Brüder Humboldt, hieß es, sondern auch dem Anspruch, die Sammlungen, die im Schloss dermaleinst gezeigt werden sollen, „kultursensibel noch einmal unter die Lupe zu nehmen“.

          Wäre dann aber nicht gleich eine Lupe auf der Kuppel besser? Hätte nicht Alexander von Humboldt wiederum ein Fernrohr am besten gefunden? Allerdings bringen sich, rein fernrohrschachmäßig betrachtet, alle genannten Objekte leicht in den Verdacht, phallisch deutbar zu sein. Denn wenn schon ein historisches Preußenkreuz von 1848 das falsche Signal wäre, um wie viel mehr dann nicht hochaufragende Zeichen okzidentaler Wissensherr(!)schaft? (Schon lustig übrigens, dass an einem Schloss ausgerechnet das Kreuz ein Herrschaftssymbol sein soll.)

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          Ausgeglichener wäre es womöglich, man installierte die Einheitswippe nicht vor dem Kasten, sondern auf seiner Kuppel. Nur wäre sie dann nicht mehr begehbar. Auch unter den vielbeschworenen Dialog-Aspekten – ein Kreuz symbolisiere den Vorrang einer Kultur – wäre noch einmal nachzudenken; Kulturen, die sich durchs Mikroskop betrachten lassen, sind meistens nicht dialogfähig, und auch Forscher stehen nicht in dem Ruf, sich gern in Debatten mit Laien hineinziehen zu lassen. Vielleicht wären, so gesehen, kommunikativere Symbole wie eine Laugenbrezel (aber vielleicht zu süddeutsch), ein Damenfahrrad (aber vielleicht zu westlich und zu gönnerhaft) oder ein runder Tisch (aber vielleicht dem Rest der Welt völlig unverständlich) geeigneter.

          Natürlich gingen auch zweifellos gute Dinge wie Nathans Ring (freilich sehr abrahamitisch und also patriarchal gedacht, findet die allesfindende „taz“), ein Einbaum (dürfen wir das überhaupt?) oder ein großes M (für Mensch, Mondialization, Mitte – und dann denken die Leute doch wieder nur an Fastfood). Wäre geplante Obsolenz die Lösung, alle Vierteljahr etwas anderes, mal mehr vegan, mal mehr verfassungspatriotisch, mal mehr postneoheterotransnormativ und zwischendurch auch nichts? Oder alle Symbole auf einmal zusammen, zu einer Art schrottmobilen Tinguely-Skulptur verschweißt? An der Universitätsbibliothek Münster ist der Spruch „Gehorche keinem“ angebracht, die Humboldt-Intendanten haben gerade vorgeschlagen, das Wort „Zweifel“ am Schlossdach anzubringen. Das Problem ist nur, dass auch das dem moralsymbolpolitischen Imperativ „Gehorche jedem“ (auch jedem Dummkopf!) nicht entsprechen würde. Es ist einfach ein Kreuz mit den Symbolen.

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