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Superminister Seehofer : Neue Heimat

Der Patronatstag der bayerischen Gebirgsschützen ist für manche sicherlich auch Heimat. Aber worum genau kümmert sich ein Heimatministerium? Bild: Picture-Alliance

Politik für Wälder und blühende Landschaften: Was hat es mit dem neuen Heimatministerium auf sich, das dem Innenministerium untersteht?

          Horst Seehofer (CSU) wird Innen-, Heimat- und Bauminister. Der Zusammenhang dieser drei Zuständigkeitsbereiche ist nicht auf den ersten Blick klar. Vor allem wird gerätselt, worin künftig die Heimatpolitik bestehen wird und ob sich das Leitkultur- und Identitätsministerium, das sich hier abzeichnet, mehr zu den bundespolizeilichen oder den bauherrlichen Aufgaben hinneigen wird, die dem neuen Superminister übertragen wurden.

          Auf den zweiten, europäischen Vergleichsblick zeichnet sich zumindest diese Alternative deutlich ab. Wer in den Google-Translator „Heimat“ eingibt, erhält nämlich als französische Übersetzung maison, das Haus, auf Italienisch wie auf Spanisch und auf Portugiesisch casa, das Haus, auf Lateinisch domum (!), das Haus und auf Englisch homeland, was zwar nicht Haus heißt, aber da der Briten home ihr castle ist, liegt das auch nicht so weit weg von etwas Abschließbarem.

          Im Deutschen gilt das vom Heim, und in einer der wichtigsten europäischen Verkehrssprachen, dem Luxemburgischen, wird Heimat im selben Sinne mit doheem bezeichnet. Heimat, so kann man diese kleine Auswertung zusammenfassen, ist etwas Gebautes, ein Innenbereich, der Türen und Fenster und womöglich Zugbrücken, auf jeden Fall aber Schlösser hat. Wer auf die Frage „Wo bist du?“ antwortet: „daheim“, meint kein Land und keine Landschaft, sondern etwas viel Kleineres.

          Ach, die Heimat hat eigene Sterne?

          Seltsam nun allerdings, dass unter den vielen Konnotationen, die der Begriff im Deutschen hat, das Haus bei weitem nicht die größte Rolle spielt. Bei „Heimat“ denken wir, denken jedenfalls angeblich viele von uns an Landschaften (blühende), an Wälder (Einsamkeit) und Berge, an etwas „hinter den Gipfeln“ (Eichendorff), an Orte, „wo ich die Liebste fand“ (Freddy Quinn), die demzufolge nicht selbst aus der Heimat stammen muss, sondern umgekehrt bestimmt, was Heimat ist. „Heimat“ klingt im Deutschen also mehr nach „Gegend“ und „Umgebung“, nach Vertrautheiten mittlerer Reichweite mit weichen Übergängen in die Fremde. Und weniger nach „Haus“.

          Die absurde Steigerung davon, die Heimat als etwas außerhalb des Hauses zu empfinden, findet sich in einer der, halten zu Gnaden, schlimmsten Schlagerzeilen der deutschen Sprache aus dem Wunschkonzert der deutschen Wehrmacht: „Heimat, deine Sterne“. Ach, ihre Heimat hat eigene Sterne? Mitunter besangen die Deutschen also, vor allem außerhalb ihrer Außengrenzen, fatalerweise Sachen, die es gar nicht gibt. Dem neuen Heimatminister müsste das zu denken geben. Er sollte sich, was die Identität angeht, an Dinge halten, die es gibt oder von denen es zu wenig gibt, also ans Bauen.

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