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Wespen : Kreative Überlebenskünstler

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Bevor der Scheibenwischer kommt: eine Wespe zwischen Regentropfen auf einer Autoscheibe. Bild: dpa

Wespen scheinen im Moment überall zu sein. Warum gibt es gerade so viele von ihnen? Und warum würde es nicht helfen, sichtbare Nester zu zerstören?

          Den Wespen geht es dieses Jahr gut, zumindest den sogenannten staatenbildenden Wespen. Die trockene Hitze hat ihre Nester so groß wie selten werden lassen. Wahrscheinlich werden manche von ihnen schon jetzt von 7000 und mehr Wespen bewohnt und die Nester selbst größer als ein Basketball sein. Und weil die Hitze um die Mittagszeit die Parklandschaften schön still hat werden lassen, konnte man ein paar Wespen auch beim Verarbeiten ihres Nestmaterials zuhören. An den Rändern einer besonders verrotteten Parkbank hatte es plötzlich merkwürdig mechanisch und sehr leise zu knacken begonnen. Für den gleich zu erwartenden Zusammenbruch der Bank war das Geräusch zu unaufgeregt und das Knacken zu gleichmäßig. Irgendwann hatte man dann aber die Geräuschquelle entdeckt: Es waren drei Wespen, die das morsche Holz langsam, aber sicher in einen anderen Zustand überführten.

          Die zu den Papierwespen zählenden Gemeinen, Deutschen und Sächsischen Wespen, die drei Wespenarten, die man als „Wespen“ kennt und die in der Nähe von Häusern oder in diesen nisten, stellen ihr Nestmaterial selbst her. Dafür kauen sie trockenes Totholz und vermischen es mit Speichel, bis eine gräuliche Papiermasse entsteht. Wobei die Farbe abhängig von der Herkunft der zerkauten Holzfasern variieren kann. Die zwischen gelblich- bis rötlichbraune, streifig heller und dunkler gemusterte Färbung der Nester der Gemeinen Wespe hat ihren Grund in den unterschiedlichen Holzmaterialien, die die Wespen verarbeitet haben. Und da sie eigentlich ständig an ihrem Nest arbeiten, sind die Nester in guten Wespenjahren in der Regel auch größer als in feuchten und kalten.

          Bevor die Wespen aber so zahlreich wie jetzt werden konnten, haben sie sich langsam und mühsam vermehrt. Denn ihre Nester sind stets nur für dieses eine Jahr gebaut. Im Winter, wenn bis auf die befruchteten Weibchen alle anderen Wespen gestorben sind, zerfallen die aus hauchdünnen Papierwänden gebauten Nester wieder. Dabei ist der Anfang alles andere als leicht.

          Sie sterben kurz nach der Paarung

          Im April oder Mai verlässt die Jungkönigin ihr Winterquartier und frisst zuerst auf Wiesen den Nektar blühender Weiden. Drei Wochen später macht sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Gemeine Wespen bevorzugen dafür dunkle, versteckte Orte wie unterirdische, verlassene Mäusenester oder entlegene Ecken in Gebäuden. Zuerst baut sie nur zehn bis zwanzig Brutzellen, in die sie jeweils ein Ei legt und mit demselben Papier verschließt. Sind die Larven geschlüpft, geht sie auf Insektenjagd. Vor allem Fliegen werden dabei in manchmal rasenden Flugmanövern ergriffen, mit dem Stachel getötet und dann zerkleinert. Ein paar Wochen nach dem Nestbaubeginn schlüpfen aus den Larven die ersten Arbeiterinnen, deren Geschlechtsorgane in Folge der Mangelernährung durch die überforderte Königin zurückgebildet sind. Wenn das Wespenvolk genügend Arbeiterinnen hervorgebracht hat, um die Versorgung des Volkes zu sichern, stellt die Königin alle anderen Tätigkeiten ein und legt nur noch Eier.

          Das Nest wird dabei stetig erweitert. Die Hülle immer wieder abgebrochen und dem neuen Umfang angepasst. In den unterirdischen Nestern sind dann einige Arbeiterinnen nur mit dem Ab- und Wegtragen von Erde beschäftigt. Durch die zunehmende Größe hat sich die Ernährungslage so weit verbessert, dass immer mehr vollentwickelte Weibchen aus den Larven hervorgehen. Da noch keine Männchen da sind, legen sie unbefruchtete Eier. Wie bei allen Hautflüglern wachsen auch bei Wespen die Männchen in den unbefruchteten Eiern heran. Etwa Anfang August haben die Wespenstaaten eine solche Größe erreicht, dass die Tiere in Biergärten und Bäckereien zu nerven beginnen. Aggressiv werden sie aber nur, wenn man sie anpustet oder hektisch nach ihnen schlägt. Und richtig angriffslustig werden sie erst, wenn man ihren Nestern zu nahe kommt oder darin herumstochert. Wobei es völlig unsinnig ist, oberirdisch frei sichtbare Nester zu zerstören, egal ob außen an Gebäuden oder auf Terrassen. Solche auffallend länglichen Nester beherbergen meist die völlig harmlose Sächsische Wespe. Selbst in der Nähe ihres Nestes kann man sie stundenlang ohne die geringste Belästigung beobachten.

          Wenn die Wespennester in Ruhe gelassen worden sind, erreichen sie Anfang September ihre größte Stärke. Dann paaren sich die Männchen mit den jungen Weibchen und sterben kurz danach. Wenn die Nahrung weniger wird, gehen im Herbst auch die alte Königin und alle Arbeiterinnen zugrunde. Nur jung verpaarte Weibchen haben genug Fettreserven, um in einem Mäusebau oder hinter einer Baumrinde den Winter zu überstehen. Viele von ihnen werden allerdings bereits im Winter von Vögeln und anderen Feinden gefressen.

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