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Kommentar : Mattscheibe

  • -Aktualisiert am

Gekommen, um zu bleiben: Donald Trump im Oval Office Bild: Reuters

Der amerikanische Präsident liest nicht, dafür schaut er stundenlang Fernsehen. Was er sieht, scheint seinen Horizont zu bestimmen. Donald Trump braucht dringend Lektüre.

          Vom amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy wird erzählt, er habe jeden Tag zehn Minuten lang die „New York Times“ und die „Washington Post“ durchforstet. Immerhin. Über die Mediengewohnheiten von Donald Trump weiß man: Er bevorzugt Twitter und das Fernsehen.

          Mike Allen und Jim VandeHei von der Website Axios haben Trumps Mediennutzungsverhalten analysiert. Sie stützen sich auf Aussagen namentlich nicht genannter Berater. In seiner Zeit im Trump Tower soll Trump Ausgaben der „New York Times“ und „New York Post“ auf dem Schreibtisch liegen gehabt haben, gelegentlich soll er auch durch das „Wall Street Journal“ geblättert haben. Die „Washington Post“, mit deren Eigentümer, dem Amazon-Chef Jeff Bezos, Trump im Clinch liegt, soll erst im Weißen Haus in den Lesezirkel aufgenommen worden sein.

          Trumps Berater haben ihn noch nie ein Buch lesen gesehen. Nicht einmal sein eigenes, der von einem Ghostwriter namens Tony Schwartz verfasste Band „The Art of the Deal“, fand Erwähnung. Dafür verbringe Trump umso mehr Zeit vor dem Bildschirm. Er schaue täglich mehrere Stunden fern und giere dabei nach positiver Berichterstattung. Die „Washington Post“ hat anhand von Tweets, die Trump abgesetzt hatte, seine typische TV-Woche rekonstruiert. Es beginnt montags um sechs Uhr mit dem Frühstücksfernsehen „Morning Joe“ auf MSNBC, gefolgt von „Fox and Friends“ auf Fox News und CNN. Abends führt sich Trump Fox News pur zu Gemüte.

          Realität und Fiktion

          Es ist schon grotesk: Ein Reality-TV-Star, der eine semifiktionale Figur in der Show „The Apprentice“ gab und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt, verfolgt seinen Part über die Mattscheibe. Was die Frage aufwirft: Agiert Trump nicht nur medienwirksam nach dem Motto „Acting for the Camera“ (was man angesichts des ostentativen Unterschreibens von Dekreten bejahen dürfte), sondern macht er zur Grundlage seiner Politik, was er im Fernsehen sieht? Trump erinnert an die Figur Chance aus Jerzy Kosinskis Roman „Being There“ (Willkommen, Mr. Chance) aus dem Jahr 1971, einen geistig zurückgebliebenen Mann, der die Außenwelt nur über den Fernseher wahrnimmt. Durch eine Reihe kurioser Zufälle – unter anderem landet er in einer Late-Night-Show, wo er einem größeren Fernsehpublikum bekannt wird – steigt Chance zum Präsidentschaftskandidaten auf. „Being There“ wurde als Satire auf die amerikanische Fernsehdemokratie gelesen.

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          Doch aus Spaß ist inzwischen Ernst geworden. Nach dem von ihm angeordneten Luftschlag auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt erhielt Trump senderübergreifend Lob. Der CNN-Kommentator Fareed Zakaria sagte: „Donald Trump ist vergangene Nacht Präsident geworden.“ Der Oberbefehlshaber dürfte das mit Wohlwollen registriert haben. Die Gefahr besteht darin, dass Trump bestimmte Prozesse nicht erkennt, die medial gebrochen werden und die sich in der Summe zu verhängnisvollen Fehlperzeptionen verdichten können. Vielleicht hilft am Ende nur eines: die Zeitung aufschlagen und den Flimmerkasten ausschalten.

          Quelle: F.A.Z.

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