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Geplantes Referendum : Was die Katalanen vom Fußball lernen können

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Im Fußball gibt es einen Schiedsrichter, doch in der Politik existiert er nicht: Katalanische Straßenszene Bild: dpa

Wo bleibt die Vernunft? Die Katalanen wollen um jeden Preis über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen. Eine Schnapsidee.

          Hass, Häme, Hochmut, Abscheu, Missgunst, Verachtung, Selbstsucht, Schadenfreude, Überheblichkeit: Diese Abgründe menschlicher Charakterschwächen prägen seit mehr als hundert Jahren das Verhältnis zwischen den Anhängern des FC Barcelona und Real Madrids, der beiden größten, unerbittlichsten Rivalen im Weltfußball. Die gegenseitige Abneigung ist so groß, so gründlich, so grundsätzlich, dass es völlig ausgeschlossen ist, den einen Verein zu lieben, ohne den anderen zu verabscheuen.

          Die Duelle der Erzkonkurrenten enden jedoch nicht in einem Massaker, weil sich die Spieler bei aller Unversöhnlichkeit gegenseitig respektieren und deren Fans weder vor noch nach dem Spiel als grölende Hooligan-Horden durch die Stadt marodieren, sondern sich wie gesittete Menschen benehmen. Und wenn die Situation doch einmal zu eskalieren droht wie in den Jahren 2010 bis 2013, als José Mourinho Madrids Trainer war und beide Klubs gegeneinander aufhetzte, siegte die Vernunft: Xavi Hernández und Iker Casillas, die Kapitäne von Barça und Real, wurden 2012 gemeinsam mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet, weil sie sich Mourinhos Infamie widersetzten und es nicht zum Krieg kommen ließen.

          Viele Jahre lang durften nicht nur die Anhänger von Barcelona und Madrid, sondern alle Spanier hoffen, dass sich die Politik ein Vorbild am Fußball nehmen würde. An diesem Sonntag könnte diese Hoffnung endgültig zur Schimäre werden: Die Katalanen wollen um jeden Preis über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen, die Zentralregierung in Madrid will das um jeden Preis verhindern. Und nirgendwo sind ein Xavi Hernández oder Iker Casillas in Sicht, nur Sturköpfe wie der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont, die Maß und Vernunft dem Fanatismus und der Verbohrtheit geopfert haben. Der eine ordnet Razzien in Ministerien an, hetzt die Guardia Civil auf die Barceloneser, lässt gewählte Volksvertreter verhaften; der andere gießt Öl ins Separatistenfeuer, besäuft sich am Nationalismus, pfeift auf die Konsequenzen – und beide fühlen sich dabei auch noch als patriotische Helden und nicht als das, was sie sind: politische Hooligans.

          Die Fassungslosigkeit über die aktuelle Eskalation, die angesichts der politischen Besonnenheit der Spanier seit Francos Tod umso mehr verstört, hat eine lange Vorgeschichte: Das Autonomiestatut Kataloniens stammt aus dem postfranquistischen Jahr 1978 und sollte 2006 durch eine reformierte Regelung ersetzt werden. Die Cortes, das nationale Parlament, verabschiedete sie, König Juan Carlos I. unterzeichnete sie – doch der Partido Popular (PP), die Partei des heutigen Ministerpräsidenten Rajoy, zog vor das Verfassungsgericht, das nach vier quälenden Jahren Beratungszeit das neue Statut für verfassungswidrig erklärte. Seither herrscht eine Mischung aus eisigem Schweigen und hitzigen Vorwürfen zwischen Madrid und Barcelona.

          Vor dem Referendum : Demonstrationen für die Unabhängigkeit von Katalonien

          Es gibt hier nicht die Guten und die Bösen.

          Spätestens seit der höchstrichterlichen Entscheidung radikalisieren sich immer mehr Katalanen, weil sie davon überzeugt sind, von den zentralistischen Kräften kompromisslos und systematisch unterdrückt zu werden – eine Grundstimmung, die sich mittlerweile bis zur Hysterie gesteigert hat und die vor allem von den konservativen Ministerpräsidenten Aznar und Rajoy geschürt wurde: Sie bauten nämlich das Netz des Hochgeschwindigkeitszuges AVE erst von Madrid in die tiefste Provinz des neuen und alten Kastiliens aus, bevor sie endlich den Katalanen eine Trasse von der Hauptstadt nach Barcelona spendierten; sie bevorzugten bei der Planung mautfreier Autobahnen jede andere Region, nur nicht Katalonien, mit der Konsequenz, dass man heute in der hintersten Extremadura auf Geisterschnellstraßen dahingleitet, während man zwischen Girona und Lleida mautpflichtig im Stau steht; und sie verteilten die Steuereinnahmen, die Katalonien fast vollständig an die Zentralregierung abzuführen hat, nach Gutsherrenart und Korruptionslaune, und zwar meistens an Landstriche, die jedes Separatismus unverdächtig sind.So wurden die Klage über die Madrider Selbstherrlichkeit und der Ruf nach der Befreiung vom zentralistischen Joch zur täglichen Litanei, angestimmt nicht nur von Politikern und Lobbyisten, sondern auch von den Bürgern Kataloniens, die Madrids Willkür Tag für Tag am eigenen Leib erleben.

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