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Wahlkampf in „Second Life“ : Trump-Anhänger tyrannisieren Bernie Sanders

  • -Aktualisiert am

Bernie-Sanders-Avatar in seinem sehr ovalen Hauptquartier. Bild: http://waliberals.org

„Second Life“ gibt es noch? Ja, wirklich – und es ist zu einer stellvertretenden Wahlkampf-Maschinerie geworden. In den letzten Tagen treiben vor allem die Trump-Anhänger ihr Unwesen in Bernie Sanders’ Hauptquartier.

          Während in der realen Welt noch über den Einfluss von digitalen Plattformen wie Facebook auf den amerikanischen Wahlkampf debattiert wird, finden in den Nicht-Orten der totgeglaubten digitalen Ruine „Second Life“ politische Affronts gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Bernie Sanders, statt. Nachdem innerparteiliche Aktionen wie der „Bernie-or-Bust“-Eid zu Spannungen in der eigenen Partei geführt haben, bekommen Bernie-Sanders-Anhänger in der virtuellen Welt die ganze Schlagkraft real zurückgedrängter Wünsche zu spüren.

          So wurde in der vergangenen Woche das virtuelle Hauptquartier von Bernie Sanders auf der Plattform „Second Life“ von Trump-Anhängern gestürmt. Der idyllische Hauptsitz der Sanders-Fans liegt in dem virtuellen Ort „Sim Caspoli“ und ist architektonisch an römische Bauten angelehnt. Dem „Second Life“-Reporter Bixyl Shuftan zufolge wurde diese Idylle jäh zerstört, als Flaggen mit Trump-Swastika darauf gehisst wurden. Die Second-Life-Bewohnerin „Macaria Wind“, die das Sanders-Quartier vor einigen Monaten eingerichtet hatte, machte Screenshots davon. Sie empören vor allem rassistische Bemerkungen und fanatische Bekenntnisse der „Second Life“-Mitglieder, die sich auf ihrem Terrain ausgebreitet haben.

          Virtueller Terror – Trump-Swastikas wurden in Bernie Sanders’ Hauptsitz geflaggt.
          Virtueller Terror – Trump-Swastikas wurden in Bernie Sanders’ Hauptsitz geflaggt. : Bild: SLer Macaria Wind

          Doch der Trump-Aufmarsch war bloß der Anfang einer ganzen Reihe von Attacken. Bei einem Bernie-Sanders-Treffen, bei dem die Anhänger Informationen und Neuigkeiten austauschen, flogen Dämonen ein, umkreisten die Bernie-Fans und tippten unzählige Male „Trump LOL“ in den Chat, so dass das Treffen unterbrochen werden musste. Den Landeigentümern von „Second Life“ ist es zwar möglich, fremde Avatare in ihrem Gebiet zu blocken, aber die Trump-Truppe hatte vorgesorgt. Auf dem Nachbar-Grundstück reckt sich eine monumentale Trump-Statue, die unübersehbar ist und alles überblickt. Würde Hillary Clinton bei einer solchen Provokation im Zweifelsfall nicht doch hinter Sanders stehen? Sie macht ihm in der realen Welt, da ihr Stimmenvorsprung uneinholbar scheint, ja inzwischen vorsichtig Komplimente, um ihn und seine Anhänger hinter sich zu bringen.

          Trump-Statue neben dem Bernie-Sanders-Hauptquartier
          Trump-Statue neben dem Bernie-Sanders-Hauptquartier : Bild: http://waliberals.org

          Es ist nicht das erste Mal, dass bei „Second Life“ der Wahlkampf tobt. Im Jahr 2007, in dem „Second Life“ auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit und Beliebtheit stand, erstellten Politiker wie Nicolas Sarkozy und Jean-Marie Le Pen virtuelle Avatare. Sie versuchten so ihre Wahlchancen in der realen Welt zu verbessern. Auch Unternehmen wie Adidas,  BMW, FriendScout24, Mercedes-Benz, Mazda, IBM, Reebok, Sony BMG und Music Entertainment präsentierten sich auf der Plattform, um ihre Produkte bekannt zu machen.

          Dämonen unterbinden ein Treffen von Sanders-Anhängern in „Second Life“.
          Dämonen unterbinden ein Treffen von Sanders-Anhängern in „Second Life“. : Bild: http://waliberals.org

          Nach dem Hype wurde es erst einmal still um „Second Life“, das bereits 1999 von 'Linden Lab' in San Francisco entwickelt wurde. Im Dezember 2013 wurde durch von Edward Snowden vermittelte Dokumente offenbar, dass der britische Geheimdienst und die NSA spätestens seit 2009 die Kommunikation der User in Second Life überwachten. Sie dürften im Zweifelsfall genau wissen, wer bei dem Geplänkel zwischen Anhängern von Bernie Sanders und echten oder vermeintlichen Unterstützern wirklich mitmacht. Dass Trump mit Hakenkreuzen auftaucht, dürfte jedenfalls kaum in seinem Sinne sein.

          Quelle: FAZ.NET

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