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Veröffentlicht: 22.10.2012, 07:17 Uhr

Wahlkampf in Amerika Der Kandidat lacht sich ins Fäustchen

Mitt Romney hat im Wahlkampf Freude an sich selbst. Man wüsste nur gerne, warum. Sein Verkaufstalent ist unverkennbar, auch wenn er nichts anzubieten hat. Den Mormonen in sich muss er verdrängen.

von , New York
© dpa In seinem ökonomischen Programm kehrt die alte Regierungsfeindschaft der Mormonen in die Politik zurück: Mitt Romney, der republikanische Präsidentschaftskandidat

Auf der Bühne ist Mitt Romney die Großzügigkeit in Person. Wenn er sich ins Fäustchen lacht, behält er sein Triumphgefühl nicht für sich. Wir alle dürfen mitlachen. Mehrmals gab es in den Debatten der Präsidentschaftskandidaten Momente, da Romney so begeistert von dem war, was er gerade sagte, dass er sich von Heiterkeit übermannen ließ. Das Protokoll umschreibt die Zuckungen, die ihn in diesen Glücksmomenten durchfahren, mit dem in Klammern gesetzten Wort „chuckles“.

Patrick Bahners Folgen:

Man kann „to chuckle“ mit „kichern“ übersetzen; hier trifft „glucksen“ es besser. Romney lacht in sich hinein, aber so, dass jedermann sein Lachen sieht, weil er meint, dass es ansteckt.

Wie man Schadenfreude zeigt

Scheinbar ist die Maske der Selbstdarstellung verrutscht. In Wirklichkeit kassiert der Debattenredner den Lohn der Disziplin. Er glaubt etwas gesagt zu haben, dass den Streit ein für alle Mal zu seinen Gunsten entscheidet. Wie ein Junge, dem ein mit Sorgfalt eingefädelter Streich gelungen ist, demonstriert er eine Schadenfreude, die man ihm, wie er sich einbildet, nicht übelnehmen kann.

Der kontrollierte Lachanfall kann ein Signal dafür sein, dass Romney der spielerische Charakter des Unternehmens der Werbung um Wählerstimmen bewusst ist. In seinen Lehrjahren bei den Beratern von Boston Consulting und in seinen Herrenjahren im An- und Verkauf von Firmen bei Bain Capital hat er gelernt, dass man Chancen und Risiken auf Formeln bringen muss, um Optionen auszuüben und Zuschläge zu bekommen.

Die Emphase des Maklers

In der zweiten Debatte versuchte der Präsident seinen Rivalen zu diskreditieren, in dem er Romneys Selbstdarstellung als Masche des professionellen Verkäufers abtat. Obama rechnete vor, dass die von Romney versprochenen Steuersenkungen entweder mit Schulden oder mit Kürzungen im Tabubereich des Haushalts bezahlt werden müssten, und resümierte verächtlich, diesen „sales pitch“, diesen Verkaufstrick, werde niemand gutheißen. Tatsächlich weist der Habitus des Wahlkämpfers Romney ihn als Verkäufer aus - aber er verhehlt die Rolle gar nicht.

Man kennt vom Makler alle seine Gesten der übertriebenen Zuwendung und künstlichen Aufmerksamkeit, die aufgerissenen Augen und die aufrechte Haltung. Romney legt in seine Sätze eine Emphase, die jeden Widerspruch abfängt. Dieses Vibrieren in seiner Stimme ist das Äquivalent des Füllers, den der Vertreter dem Kunden in die Hand drückt. Romney ist im Handel mit Versprechen und Kalkulationen reich geworden. Hier bleibt der Stratege Herr des Verfahrens, wenn er weiß, dass er Sprüche macht.

Steuerschlupflöcher muss man nutzen

In der ersten Debatte erklärte Romney seinen großen Plan, durch Steuersenkungen den Haushalt zu sanieren. Es gebe kein effizienteres Mittel, ein ausgeglichenes Budget zu erreichen, als dass mehr Menschen Arbeit haben, mehr verdienen und deshalb - und hier verzeichnet das Protokoll, dass Romney mitten im Satz lachen muss - auch mehr Steuern zahlen. Weniger Steuern! Das ist der Schlachtruf und zugleich der Subtext von Romneys Kampagne.

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