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Wahlen in Italien Schwarzes Loch

Der Komiker und Politprediger Beppe Grillo befindet sich auf dem Vormarsch, Berlusconi verordnet das Lächeln. Und alle wollen Gelder ausgeben, die beim besten Willen nicht da sind. Römische Elegien.

Die Stimmungsberichte zur italienischen Wahl wirken wie Zitate aus einem Geschichtsbuch über das späte, müde Rom: Der uralte Präsident Napolitano findet keinen Nachfolger; der ebenso greise Papst tritt kraftlos ab. Und dass die Koalitionskuhhändel anderes hinterlassen als das übliche Kuddelmuddel ohne klare Mehrheiten, daran zweifeln inzwischen sogar die notorisch staatstragenden Editorials des „Corriere della sera“. Von einem betäubten Land, von „einer bisher undenkbaren Planetenkonstellation“ wird da geunkt. Man könnte getrost, um in der astralen Metaphorik zu bleiben, vom Schwarzen Loch der Macht sprechen. Italien ist, nach Griechenland, der zweite Fall einer Demokratie, die über Jahre nur zum Verteilen von Fremdgeldern fähig war, aber keine Entscheidungen zum Wohl des Landes mehr hervorzubringen vermag.

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Der Siegeszug des einstigen Komikers und heutigen Politpredigers Beppe Grillo zeigt das Maß an Hoffnungslosigkeit, die gierige Kaste der Herrschenden würde freiwillig auf Geld und Macht verzichten. Grillos Mahnung, unbedingt den eigenen Kugelschreiber zum Wählen mitzubringen, zeugt von panischer Angst vor Fälschungen und ist ein weiterer Baustein in der kosmischen Anarchie Italiens, die weniger an berechenbare Planetenbahnen als an einen Schwarm wildgewordener Asteroiden denken lässt.

Sie solle gefälligst lächeln, blafft Berlusconi eine Wahlhelferin an

Links will man trotz Pleite mehr Beamtenstellen und höhere Renten; Berlusconi will gleich alle neuen Steuern zurückzahlen; und selbst der besonnene Mario Monti beginnt, sich vom Glauben an das italienische Volk zu verabschieden - und distanziert sich vorsichtig von Angela Merkel, damit ihm nicht noch mehr Wähler davonlaufen. Dass Justizschlamperei, Steuerbetrug und nicht zuletzt die Überfinanzierung der Politik dringend abgeschafft gehören, wissen alle. Sonst, so der „Corriere“, werde der Abgrund zwischen dem Palast der Macht und dem wahren Leben nicht mehr zu überbrücken sein.

Aber wird wirklich etwas geschehen? Oder sind diese Wahlen bloß ein weiteres, nutzloses Feudalritual, das die Agonie der italienischen Demokratie nur verlängert? Immerhin, der Haremsfeminist Silvio Berlusconi blieb sich treu. Nachdem er in Mailand seine Stimmzettel eingeworfen hatte, blaffte er eine junge Wahlhelferin an, sie solle nicht so einen Flunsch ziehen, sondern gefälligst lächeln. Das ist das Bild dieser trüben Tage: der alte, geliftete Dauergrinser und die junge, desillusionierte Frau, die einfach nichts mehr zu lachen hat.

Quelle: F.A.Z.

 
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