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Wahlen in Italien Mondo aperto

Italien kennt einen Wahlkreis Europa. Hier bestimmen die im Ausland lebenden Italiener ihre Vertreter für Senat und Abgeordnetenkammer. Bei einem Wahlkampfauftritt in Köln machten sie sich Luft.

Am Wochenende wird in Italien gewählt. Auch jene der 515.000 Italiener, die in Deutschland leben und sich in die Wahlliste eintragen ließen, können ihre Stimme abgeben, wie ihre Landsleute überall auf der Welt zwischen Buxtehude und Buenos Aires, Sydney und Sindelfingen, 3,5 Millionen Wähler insgesamt. Bis 2002 mussten sie dafür in die Heimat reisen, das Eisenbahnbillett wurde - ab Landesgrenze! - ermäßigt, die Maut für die Autostrada erlassen. Dann wurde endlich die Briefwahl eingeführt.

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Insgesamt entsenden die „Auslandsitaliener“ zwölf Vertreter in die Abgeordnetenkammer und sechs in den Senat, fünf kamen bisher aus Europa, vier aus Südamerika, zwei aus Nordamerika sowie einer aus „Afrika, Asien, Ozeanien und Antarktis“. Die Kandidaten, mehr als einhundert sind es im „Wahlkreis Europa“, führen auch Wahlkampf, und da kann es, wie vergangene Woche auf einer Veranstaltung der Kölner Kulturinitiative „mondoaperto“, hoch hergehen.

Mit Hammer, Sichel und Bärenmütze

Denn die Italiener im Ausland fühlen sich von den Regierungen Berlusconi und Monti im Stich gelassen: In den vergangenen Jahren seien die Mittel für Sprach- und andere Kurse, so klagte Franco Narducci, der, in der Schweiz lebend, für den Partito Democratico antritt, um achtzig Prozent gekürzt worden; Franco Pugliese, der von Troisdorf aus für den Partito Comunista Italiano in den Palazzo Madama ziehen will, rechnete vor, dass es vier Jahre gedauert habe, bis am Kölner Generalkonsulat, vor dem er - eine Bärenmütze auf dem Kopf und eine rote Fahne mit Hammer und Sichel in der Hand - mehrfach demonstriert hat, endlich eine Rampe für Behinderte angebracht worden sei; und die seit 1976 in Köln ansässige Merceda Maria Orizzonte, die für das Mitte-Links-Bündnis Rivoluzione Civile in den Palazzo Montecitorio strebt, vermisste insgesamt Transparenz bei den diplomatischen Vertretungen, die dem Bürger 82 Euro für einen Pass abknöpften und ihre alte Mutter, weil sie ihn nicht online beantragt habe, wieder nach Hause geschickt hätten.

Den größten Applaus aber erhielt eine im Rheinland lebende Mailänderin, die ausrief: „Wenn Berlusconi wiedergewählt wird, beantrage ich die deutsche Staatsbürgerschaft.“ Es ist zu vermuten, dass die Dame nicht ahnt, welche bürokratischen Odyseen damit verbunden sind.

Quelle: F.A.Z.

 
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