Höhen und Tiefen, Erwartungen und Enttäuschungen: Manche Sprichwörter fassen einfach zwei Welten in einen Satz. Denn allein, dass sie sich auf so engem Raum gegenüberstehen, macht sie interessant. Um die Saarland-Wahl zu beschreiben, bieten sich viele Sprichwörter dieses Musters an. Und da selbst das Fernsehen mit in das Twitter-Universum eintaucht, begegnet man ihnen inzwischen überall. Der Mehrwert ergibt sich schnell. Der Generalsekretär der FDP sprach am Wahlabend im Fernsehen von der „Tyrannei der Masse“.
Dieser alte Satz bedurfte der modernen Adaption. Twitter half schnell und übertrug diese FDP-Meinung in die Sprache des aktuellen politischen Diskurses. @bleed (Sascha Kösch) schrieb: „We are the 1% #fdp“. Die FDP, die in der einen Welt zur Bundesregierung gehört, wird in der anderen Welt nun in Promille gemessen. Und „mit 18 Promille“, so @egghat (Dieter Meyer), „ist man medizinisch und politisch“ tot. So breit wie für die FDP hat sich die Kluft zwischen den Welten bei den anderen Parteien nicht aufgetan. Dafür tun sich neue auf. Werden die Piraten übermütig? Bundesgeschäftsführerin Marina Weisband fragte per Twitter ihre Piraten, ob es o.k. sei, dass sie eine Einladung zu Maybrit Illner in dieser Woche abgesagt habe.
Die Piraten wält man aus Enttäuschung
„Wir kriegen gerade auch so genug Öffentlichkeit.“ Warum nicht? Wahrscheinlich hätte sie im Fernsehen sowieso nur in alte Fernsehsprache übersetzt, was ihre Piratenkollegin Julia Schramm am Sonntagabend per Twitter schrieb: „Wir haben diese Republik schon so sehr verändert, dass ich Gänsehaut bei dem Gedanken bekomme.“ Aber es gäbe eine Frage, die eine der beiden Piratenfrontfrauen im Fernsehen beantworten könnte. Während die Piraten Gänsehaut durch Gedanken bekommen, war es, so hieß es kurz nach der Wahl im ZDF, 85 Prozent der saarländischen Piratenwähler ziemlich egal, für was und mit wem die Piraten sich politisch engagieren.
Sieben Prozent gaben an, aus inhaltlichen Gründen zu wählen. Der Rest wählte die Piraten aus Enttäuschung über die anderen Parteien. Welche Kluft ist nun größer: die zwischen den Piraten und den anderen Parteien oder die zwischen den Piraten und ihren Wählern? Mit Twitter lässt sich der Gesellschaft gut auf den Zahn fühlen. Dass die Piraten im Saarland trumpfen, ließ sich nicht nur ahnen, sondern per Internet schon vorher erleben. Doch auch die Piraten werden Brücken bauen müssen. Sprüche in Tweetlänge werden nicht genügen.