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Waffenmesse in Abu Dhabi Ein Tag auf dem Basar des Todes

 ·  Deutschland ist einer der weltweit größten Waffenexporteure, der Nahe Osten ein wichtiger Markt. Auf der Idex in Abu Dhabi werden Waffen wie Gebrauchsgüter feilgeboten. Ein etwas anderer Messerundgang.

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© Jenni Roth/Facing Finance Vergrößern Er will doch nur spielen: Koreanischer Besucher auf der Idex.

Halt, nicht abdrücken!“ Der Koreaner will erst noch seine Sonnenbrille aufsetzen für das Erinnerungsfoto. Dann nimmt er das G36 aus der Halterung und zielt auf seinen Kumpanen, der die Kamera in der Hand hält. Pose Nummer eins. Dann die zweite, mit zum Himmel gerichteter Kanone. Und Nummer drei schräg von der Seite. Gegeltes Haar und Pokermiene. Hinter der ahnt man dann aber doch den Stolz eines kleinen Jungen: ein echtes Sturmgewehr in den Händen, was für ein Gefühl!

Das G36 hat der saudische Staatskonzern MIC hergestellt, mit freundlicher Genehmigung der schwäbischen Waffenschmiede Heckler & Koch. Für diesen Moment ist der Koreaner weit gereist. Der junge Mann ist nicht zum Sonnenbaden an den Persischen Golf gekommen, sondern um die Idex in Abu Dhabi zu besuchen, eine der größten Waffenmessen weltweit. „What a great show“, sagt er. Was für eine Show. Und das ist sie.

Kein Blut auf dem weißen Flauschteppich

Idex steht für „International Defence Exhibition“, und damit für einen Pflichttermin für Waffenfabrikanten, Regierungen, Generalstäbe - und für die Herrscher Arabiens. Mit dabei sind aber auch Schulklassen, Familienväter und verschleierte Hausfrauen und Studentinnen, die mal kurz in eine Schlachtfeldmontur schlüpfen möchten oder einen Jetpack, einen Raketenrucksack, auf dem Rücken tragen wollen: Die Idex ist eine Publikumsmesse, so wie die Cebit in Hannover oder die Nürnberger Spielwarenmesse. Mit einem Unterschied, findet Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Linkspartei: „Auf jeder Industriemesse hängt neben einer Nähmaschine auch ein schönes Kleid. Hier zeigen sie die Endprodukte nicht: die Toten.“

Im Gegenteil: Wer sich in den zwölf Hallen mit 124.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umtut, fühlt sich weit entrückt von Tod, Blut und Kriegselend, dafür aber einer gigantischen Gameshow sehr nah. Gleich hinter dem Eingang in Halle 1 taucht der Besucher ein in die weichgespülte Welt der Waffen. Man wandelt fast lautlos über einen weißen Flauschteppich, passiert Pavillons, lässt sich von kurzberockten Hostessen die neuen Systeme zeigen oder nimmt sich eine der Pralinen von den Verkaufstheken. In Vitrinen liegt Artilleriemunition neben gelben, roten und blauen Granaten, poliert und herausgeputzt für den großen Tag. Auf unzähligen Bildschirmen rollen Panzer über unwegsames Gelände, liegen Soldaten in Schützengräben, ratternd wandert der Patronengurt durch ihre Hände, begleitet von martialischen Kompositionen, die auch aus Oliver Stones Film „Platoon“ kommen könnten oder aus Coppolas „Apocalypse now“.

Die arabische Welt rüstet auf

Die Idex ist voller Dinge, die nur auf den ersten Blick rätselhaft scheinen, wie zum Beispiel die drei Koffer voller Lockenstäbe, die sich als Geräte zum Putzen von Waffen entpuppen. Es gibt aber auch Sachen, die noch auf den vierten Blick unverständlich bleiben.

Draußen, auf einer Freifläche, auf der die Wüstensonne auf den Kunstrasen scheint, hat die südafrikanische Paramount Group, Hersteller von Spezialfahrzeugen für Krisengebiete, ihren „Marauder“ aufgefahren, einen gepanzerten Truppentransporter, der vor Minen und Sprengfallen schützen soll. Daneben steht das wohl beliebteste Fotomotiv der Messe: ein Panzer mit rundum glitzernden Steinchen, echten Swarovski-Kristallen, die Tarnflecken mit Gold- und Chromfarbe lackiert. „Wir machen keine halben Sachen“, sagt ein Firmenvertreter. „Wenn schon, denn schon!“

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28.02.2013, 21:42 Uhr

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