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Waffendebatte in Amerika Pistole mit Füllung

Spätestens seit dem Amoklauf von Newtown ist in Amerika eine heftige Debatte über das Waffenrecht entbrannt. In Zeiten immer härter werdender Fronten kann es da schon zu Überreaktionen beim Pausenbrot kommen.

Auch ohne Giftzusatz antiwestlich gesinnter Nahrungsmittelterroristen kann ein normales Gebäck neuerdings für Angst und Schrecken sorgen. Ein Schuljunge aus Baltimore wies ungewollt darauf hin. Der Siebenjährige aß gerade sein Pop-Tart, eine Art marmeladengefüllte Teigtasche. Jeder Zweitklässler kennt das: Mittagspause, immer das Gleiche, Langeweile und Routine gähnen in der Brotbox. Da hilft nur eins: neue ästhetische Prinzipien, auch beim Essen! Die Nahrung durch gezieltes Abbeißen zu möglichst naturalistischen Modellen imaginierter Vorlagen verarbeiten! Nach „Haus“ und „Baum“ findet sich auch schnell eine originelle Vorlage: „Berg“. Leider konnte der Schüler seiner Vorstellung nicht ganz gerecht werden. Was schließlich zu erkennen war, ähnelte eher einer Pistole.

Großes Potential

Klassenlehrer und Schulleitung, durch den Amoklauf von Newtown verständlicherweise noch sensibilisiert, waren sich sicher: Eine solche Gewaltverherrlichung, noch dazu im Gewand von scheinbar ungefährlicher, wenn auch natürlich stark gezuckerter Nahrung, ist eine klare Drohgebärde - sie suspendierten den Grundschüler für zwei Tage von der Schule. Daraufhin fragte man sich in Amerika, ob denn eine solche Strafe nicht doch zu hart wäre. Denn was ist mit anderen Lebensmitteln? Ein Apfel zum Beispiel könnte sich leicht zu einer Handgranate essen lassen. Und wäre das Formen der Finger zu einer Pistole ebenso ein Grund für einen Verweis? Schließlich: Was ist noch kindliches Spiel und was ein eindeutiges Indiz für den kurz bevor stehenden Amoklauf?

Die Eltern des Jungen, der sich natürlich keiner Schuld bewusst war, schalteten einen Anwalt ein, welcher sogleich die öffentliche Verteidigung in die Hand nahm. Rhetorisch unschlagbar erklärte er, der Schüler sei halt „genauso erfinderisch und abenteuerlustig wie Steve Jobs im Alter von sieben Jahren“. Eben. Wer schon in diesem Alter in der Lage ist, bei der Einnahme seines Mittagessens jegliche Konventionen auf den Kopf zu stellen, quasi kulinarisches Neuland zu betreten und dabei auch noch eine latente Waffenliebe thematisiert - was mag der erst im Erwachsenenalter zustande bringen?

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Doch erst jetzt, nach fast drei Monaten, wurde der Junge für seine Leistungen gebührend geehrt: Die National Rifle Association of America, die wohl einflussreichste Waffenlobby, verlieh dem Jungen eine lebenslange Mitgliedschaft.

Quelle: F.A.Z.

 
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