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Wachstums-Debatte : Lest doch bitte euren Popper richtig

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Vollziehen die Grünen nach dem Marsch durch die Institutionen nun den Marsch in die Öko-Diktatur? Die Teletubbies gehen schon mal voran. Bild: ddp images / Sipa

Ja, ich bin für Markt, Wachstum und Konsum. Was ist so schlimm daran? Wachstum hat das Leben angenehmer gemacht. Und die entdeckungsfreude des Marktes erlaubt doch erst den Fortschritt. Eine Antwort auf Reinhard Loske.

          Ich schlage vor, dass wir zur Sachlichkeit zurückkehren: Reinhard Loske wirft mir in seinem Artikel „Wahrlich ein Denker unserer Zeit“ die Deformation des Liberalismus vor; ich reduzierte den Liberalismus auf eine pure Markt- und Wachstumsideologie. Loske „belegt“ seine Sicht mit einer Sammlung von Kurzzitaten, die er nebeneinanderstellt, ohne auf die zugrunde liegende Argumentation einzugehen. Dadurch entsteht das Bild einer aggressiven Verantwortungslosigkeit und mit ihm eine groteske Verzerrung jener Position, die viele Liberale und ich selbst in den aktuellen Debatten einnehmen.

          Grundlage dieser Position ist eine volkswirtschaftliche Binsenweisheit: In einem Land mit stagnierender Bevölkerung entsteht Wirtschaftswachstum nurmehr durch die Umsetzung neuer Ideen in marktfähige Waren und Dienstleistungen. Es ist „schöpferische Zerstörung“, wie dies Joseph Schumpeter nannte - Altes verschwindet, Neues kommt. Der Wettbewerb sorgt für immer mehr, für vielfältigere und bessere Güter. Je weiter eine Volkswirtschaft entwickelt ist, umso mehr neigt sich dabei die Waage vom rein quantitativen zum qualitativen Wachstum.

          Vom Staat vorgegeben und durchgesetzt

          Geht es in bitterarmen Ländern der Welt vor allem noch um „mehr“ von allem, steht in Deutschland der Wandel technischer Charakteristika der Produktwelt im Vordergrund: Autos, Fernseher und Waschmaschinen verbessern sich, werden bedienungsfreundlicher und ökologischer; Personalcomputer, Smartphones und iPads erweitern die Welt der Kommunikation. Die Entdeckungsfreude des Marktes erlaubt erst den Fortschritt - auch in Form höherer Einkommen, die über höhere Steuereinnahmen die solide Finanzierung des Sozial- und Kulturstaats ermöglichen. Tatsächlich hat das Wachstum hierzulande das Leben der Menschen rundum angenehmer gemacht; und in der Weltwirtschaft hat es die globale Armut drastisch reduziert. Was ist daran schlecht?

          Karl-Heinz Paqué

          Die zentrale Antwort der Kritiker lautet: Der Ressourcenverbrauch und die Belastung des Planeten Erde sind daran schlecht. Sie fordern deshalb eine radikale Umlenkung der Marktprozesse und Marktergebnisse, massiv und schnell - hin zu einer Welt, in der übergeordnete ökologische Ziele vom Staat vorgegeben und deren Erreichen vom Staat auch konsequent durchgesetzt werden. Dagegen haben Liberale wie ich größte Bedenken. Diese beruhen auf einer philosophischen Grundhaltung, die am besten mit dem Kritischen Rationalismus in der Tradition von Karl Popper (1902 bis 1994) beschrieben werden kann.

          Ein unverbesserlicher Konsumfetischist?

          Popper wandte sich zeit seines langen Lebens wissenschaftstheoretisch gegen jede Form der Dogmatisierung und Immunisierung von Theorien. Stete Bereitschaft zur Falsifikation von Hypothesen durch Beobachtungen war sein Credo. Dem entsprach politisch sein leidenschaftliches Plädoyer für die offene Gesellschaft: die fortwährende Suche nach dem richtigen Ansatz, das Vortasten der Politik durch „Stückwerktechnologie“, also „trial and error“, das Optionen offenlässt und sich immerfort der jeweiligen Grenzen unseres Wissens bewusst ist. Und vor allem eines hat: Respekt vor den persönlichen Wünschen der Menschen, ihrem ureigenen Traum vom Glück. Popper warnte davor, die Bürger per Obrigkeitsstaat zu beglücken. Der Adressat der Warnungen waren seinerzeit Kommunismus und Planwirtschaft. Berühmt sein Satz: „Die Hybris, die uns versuchen lässt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“

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