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Vor Newtown Eine heile Welt?

Bis zu dem Massaker in der Sandy-Hook-Grundschule galt Newtown als beschauliche und friedliche Kleinstadt. Aber kann das Bild der Idylle in einem durchmilitarisierten, waffenvernarrten Land wie Amerika etwas anderes sein als eine gefährliche Illusion?

© AFP Vergrößern Auf dem diesjähirgen Treffen der „National Rifle Association“ in St. Louis.

Newtown, das liest und hört man nun überall, sei bis zu jenem Freitag, als Adam Lanza in der Sandy-Hook-Grundschule ein Massaker verübte, eine heile Welt gewesen. Eine Welt also, der es gelang, das Böse fernzuhalten, weshalb die Menschen in ihr friedlich miteinander lebten. Eine Welt ohne Misstrauen und Angst. Newtown, ein geschützter Ort. Denn nichts anderes bedeutet der Begriff der heilen Welt, wenn wir ihn wörtlich nehmen: Niemand muss sich fürchten, jeder ist sicher. Schnellfeuerwaffen haben in einer solchen Welt nichts verloren.

Melanie Mühl Folgen:

In Wahrheit war Newtown ebenso wenig wie irgendeine andere amerikanische Kleinstadt jemals jene heile Welt, die nun reflexhaft beschworen wird. Die Sicherheitsvorkehrungen an der Sandy-Hook-Grundschule wurden erst Mitte Oktober verschärft. Mit Unterrichtsbeginn um 9.30 Uhr wurden die Türen verriegelt. Wer die Schule betreten wollte, musste klingeln und sich ausweisen.

Es sieht ganz danach aus, als hätte man auch in Newtown gewusst, dass Idylle in einem durchmilitarisierten, waffenvernarrten Land immer nur eine Illusion sein kann – die naturgemäß ständig in Gefahr ist, von der Realität auf brutale Weise zerstört zu werden.

Das bewaffnete Amerika

„We are a gun country“ schrieb Jeffrey Goldberg kurz nach dem Massaker in Newtown in der Zeitschrift “Atlantic”. Und auch davon, dass Amerika bis zu den Zähnen bewaffnet ist, ist nun häufig die Rede. Wer die Tragweite dieses Satzes verstehen möchte, der muss noch nicht einmal genau wissen, wie viele Waffen in amerikanischen Haushalten ungefähr vorrätig sind, es genügt ein Blick in Kyle Cassidys Buch “Bewaffnetes Amerika”, das 2008 erschienen ist.

Zwei Jahre lang hat der Fotograf in einem klapprigen Jeep Cherokee sein Land bereist und Menschen mit ihren Waffen fotografiert. Es sind ganz normale Amerikaner, die wir sehen, Hausfrauen, Mütter, Lehrer. Manche von ihnen sind Demokraten, andere Republikaner, die einen sind gläubig, die anderen nicht, die einen haben Kinder, die anderen keine.

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Ihre Waffen präsentieren sie so selbstverständlich wie man es sonst mit seinen Haustieren tut. Selbst Kinder umfassen den Lauf von Gewehren als handele es sich um Spielzeug. Und natürlich fällt immer wieder das Stichwort Demokratie. Paul aus Virginia, verheiratet, zwei Kinder, sagt: „Ich besitze Waffen aus den gleichen Gründen, aus denen ich einen Feuerlöscher im Haus und einen Ersatzreifen in meinem Wagen habe.“ Im Falle der Gefahr will er gewappnet sein, ob es sich nun um einen geplatzter Autoreifen handelt oder einen Einbrecher. Viele Amerikaner wollen gewappnet sein. Daran wird selbst die Katastrophe von Newtown wohl  nichts ändern.

Quelle: FAZ.NET

 
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