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Vor Newtown Eine heile Welt?

 ·  Bis zu dem Massaker in der Sandy-Hook-Grundschule galt Newtown als beschauliche und friedliche Kleinstadt. Aber kann das Bild der Idylle in einem durchmilitarisierten, waffenvernarrten Land wie Amerika etwas anderes sein als eine gefährliche Illusion?

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Horst Ziegler

Schießen, Fragen, Wegducken

In der Tat verhält sich die US-Gesellschaft wie ein Kämpfer, der sich in Notwehr wähnt. Schießen, Fragen, Wegducken. Diese Reihenfolge gilt für die Maxime: Sicherheit zuerst! Das mag ja im Einzelfall funktionieren. Aber der Staat kann dieses Verhalten nicht akzeptieren.

In den USA gilt heute das eingeschränkte Notwehrrecht. Damit hat der Bürger mehr Freiheit zu schießen, wenn er der Meinung sein kann, bedroht zu sein.

Beispiel aus Florida: Farbiger Jugendlicher wird von einem Macho - selbsternannter Sheriff - erschossen.

Was sagte Humboldt 1792? "In seiner idealtypischen (!) Ausprägung schützt das Gewaltmonopol den Bürger vor Übergriffen anderer, indem es gewaltsamen Rechtsmißbrauch (Anmaßung einer Polizeifunktion) oder Willkür einzelner Personen oder von Gruppen verhindert.
Es stellt eine entscheidende Rahmenbedingung für ein möglichst angstfreies Sozialleben dar und gilt als zivilisatorischer Fortschritt." Und wo sind die USA heute?

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Wolfgang Schlage

Falsche Prämisse und falscher Gegensatz

Die Autorin setzt die "beschauliche und friedliche Kleinstadt" in einen Gegensatz zum "durchmilitarisierten, waffenvernarrten ... Amerika." Eine falsche Prämisse und ein falscher Gegensatz.

Die falsche Prämisse: meine US-Nachbarn in Colorado waren nicht "waffenvernarrt", und "durchmilitarisiert" schon gar nicht. Die USA sind nämlich groß und weit, und es gibt eine gesellschaftliche Breite, die sich viele im engen Deutschland gar nicht vorstellen können. Von den USA existieren hier eine Fülle von Zerrbildern: nicht ganz falsch, aber keinesfalls richtig.

Der falsche Gegensatz: Natürlich kann auch eine Stadt mit viel Waffenbesitz "beschaulich und friedlich" sein, denn üblicherweise werden diese Waffen eben nicht eingesetzt. Vielmehr begegnen sich die Menschen üblicherweise mit Höflichkeit, Freundlichkeit, Verständnis und (oft) Hilfsbereitschaft.

Dass Idyllen nun nie ganz so idyllisch sind, wie sie zunächst aussehen: das ist nicht nur in den USA so.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.12.2012 22:52 Uhr
Torsten Klier

"Höflichkeit, Freundlichkeit, Verständnis und (oft) Hilfsbereitschaft"

So was, Herr Schlage, kommt gar nicht gut. Das ist etwa so, als wenn im 3. Reich jemand was positives über Juden geäußert hätte. So was macht man nicht.
Der Amerikaner, nein, nicht "der" sondern nur der weiße Amerikaner ist im wissenschaftlichen sozialistischen Weltbild unserer GenossInnen primitiv, gewalttätig und dumm.
Dass dieses Weltbild rassistisch ist liegt auf der Hand. Aber gerade deshalb wird es ja von den Sozialisten propagiert.

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Robert Klemme
Robert Klemme (rklemme) - 17.12.2012 21:34 Uhr

Angst

"Viele Amerikaner wollen gewappnet sein." - Es wäre interessant zu erfahren, warum Ängste so weit verbreitet sind, dass entsprechend viele Menschen meinen, sich nur mit Waffen sicher zu fühlen. Liegt das an Fox-News und anderen Boulevard-Medien, die ständig neue Gefahren herauf beschwören? Liegt es an der Bildung? Ist es das Echo eines alten Minderwertigkeitskomplexes?

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Karl-Heinz Klär

Liebe Frau Mühl

ein sehr gutes Stück, danke.

Ihren Kritikern empfehle ich Steven Pinkers "Gewalt" zur Lektüre, vor allem Herrn Calvelage.

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peter neumann
peter neumann (wammy) - 17.12.2012 18:55 Uhr

nach erfurt

ging die verschärfung so weit das man nicht mal mehr seenotsignalmittel frei kaufen kann.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.12.2012 01:19 Uhr
Closed via SSO
Till Diesing (Zabel24) - 18.12.2012 01:19 Uhr

Ein

Ein echtes Problem.

...

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Stefan Zhentan
Stefan Zhentan (comsen) - 17.12.2012 18:31 Uhr

heile Welt - die USA sind nun einmal eine bewaffnete Gesellschaft

Waffen sind fester Bestandteil der US Kultur, hunderte Millionen Waffen im Umlauf, ein in der Verfassung verbrieftes Recht Waffen zu besitzen, die US Wirtschaft ist zum großen Teil von Waffen abhängig, ausufernde Kriminalität macht Selbstschutz notwendig. 2.5 Mio Amerikaner im Gefägniss. 10.000 Tote jedes Jahr durch Handfeuerwaffen. Psychopaten ohne Behandlung mitten in der Gesellschaft, weil diese sich keine Behandlung leisten können. Es ist der Preis, den die US Gesellschaft zahlen muss.

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Michael Klein

Dieser Satz ...

".. Ich besitze Waffen aus den gleichen Gründen, aus denen ich einen Feuerlöscher im Haus und einen Ersatzreifen in meinem Wagen habe. .."
drückt sehr gut die Sichtweise vieler Amerikaner aus!

Ich hatte vor einigen Jahren eine Diskussion bei der es um die Waffengesetze in den USA ging. Damals wurde mir als Argument entgegengebracht, dass viele Dinge auch in deutschen Haushalten, wie bspw. Messer oder Handwerksgeräte (Flex etc.), als Waffen missbraucht werden könnten.

Argumentiert wurde nach dem Motto:
Wo ist der Unterschied, ob dich jemand mit einem Messer oder mit einer Handfeuerwaffe angreift? Beides sind Waffen und wenn man den Erwerb des einen verbieten würde dann müsste man konsequenter Weise den Erwerb des anderen auch verbieten. Und das ginge ja schlecht.

Das klingt aus europäischer Sicht sehr seltsam, aber ich glaube diese Einstellung ist bei vielen Amerikanern sehr verbreitet.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 17.12.2012 21:31 Uhr
Robert Klemme
Robert Klemme (rklemme) - 17.12.2012 21:31 Uhr

Quantitative Unterschiede

Das mag sein, aber Feuerfrequenz und Munitionsvorrat machen einen Unterschied. Mit einem Messer ist es wesentlich schwieriger eine große Zahl von Menschen zu töten als mit einer Distantwaffe, die auch noch über ein großes Magazin verfügt.

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 17.12.2012 18:06 Uhr

Wie nach jeder Tragödie dieser Art wird am Grundproblem vorbei diskutiert

Schade, dass ausgerechnet die FAZ nicht müde wird, diesen medialen Selbstbetrug mitzutragen. Es ist natürlich schön einfach, auf die waffenbesoffenen Neuzeit-Cowboys am anderen Atlantikufer zu verweisen, um zu suggerieren, dass sowas bei uns in der Form nicht möglich ist. Wir haben schließlich aus Erfurt und Winnenden gelernt und achten seitdem genaustens darauf, dass jeder Waffenschrank der Republik fest verschlossen ist. Mediales Pfeifen im dunklen Wald. Dass nicht die Waffen, sondern die Menschen, die damit schießen das Grundproblem sind, wird in der Berichterstattung gerne ausgeblendet. Es wird zwar jedes Mal prominent nach dem "Warum?" gefragt, die ernsthafte Beantwortung scheint allerdings unerwünscht, da reflexartiger Aktionismus jedes Mal zulasten einer breiten interdisziplinären Debatte Lösungen präsentiert, die keine sind. Es geht um Waffen statt um Anomie, um verantwortungslose Eltern statt um Deprivation. Ist ja auch viel bequemer...

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Mark Möschl
Mark Möschl (Cimpoler) - 17.12.2012 17:33 Uhr

Schusswaffenopfer

Solche Ereignisse lenken ja eigentlich sogar noch ab von den Umfängen der Auswirkungen dieser Militarisierung. Die Wahrscheinlichkeit in den USA durch Gewalttaten ums Leben zu kommen ist ca 10 mal so hoch wie zB in Europa. Das bedeutet ein sogenanntes 1ste Welt Land lässt es zu in dieser Hinsicht Werte aufzuweisen wie ein dritte Welt Land welches sich in Halb-Anarchie befindet !
Und womit wird dann auch noch argumentiert ? Jawoll, mit "Sicherheit". Neusprech halt.

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Davor Topić
Davor Topić (davor_t) - 17.12.2012 16:54 Uhr

Ganz und gar nicht

aber hier geht es nicht nur darum das praktisch "jedem" Waffen zugänglich sondern auch darum dass in USA die Unterschiede zwischen arm und reich immer krasser werden. Das bedeutet für immer mehr Menschen es noch schwieriger wird bei Bedarf psychiatrische, psycholigische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Richtige ärtzliche Hilfe, sogar wann Gefahr für die Geselschafft droht ist in USA keine Selbstverständlichkeit. Waffen sind nur ein Bruchteil des Problems.

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Horst Ziegler

In der Tat.

Die USA sind durchmilitarisiert. Ich habe mir diesen Sachverhalt im Zusammenhang mit der Tatsache gestellt, das Flächenländer wie Russland oder Australien diese Art von Problem nicht haben.

Mich erinnert die US-Gesellschaft stark die wilhelminische von 1896. Erst schießen, dann fragen, dann wegducken.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 17.12.2012 20:11 Uhr
Torsten Klier

"Mich erinnert die US-Gesellschaft stark die wilhelminische von 1896. ...

... Erst schießen, dann fragen, dann wegducken."

Nur zur Sicherheit, Herr Ziegler, ist das Ihr Ernst?

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17.12.2012, 16:10 Uhr

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