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Vom Kriegshelden zum Terroristen Veteranentod

31.08.2010 ·  Ein greiser Kriegsheld, der zum Terroristen wurde: Der sechsundachtzigjährige Russe Nikolai Dudin riss durch seinem Selbstmord acht Heimbewohner mit in den Tod - er fühlte sich von den Behörden verraten.

Von Kerstin Holm
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Ein russischer Weltkriegsveteran, der in einem Altenheim auf die ihm zustehende neue Wohnung gewartet hatte, beging Selbstmord, indem er sich mit Benzin übergoss, anzündete und dabei noch acht weitere Heimbewohner mit in den Tod riss. Der sechsundachtzigjährige Nikolai Dudin, der in seinem Heim im Städtchen Wyschni Wolotschok unweit von Twer in jüngster Zeit neurologisch behandelt wurde, hatte sich gegen Kriegsende bei der Rückeroberung Weißrußland ausgezeichnet, wofür er in diesen Tagen wieder einmal eine Medaille erhalten sollte.

Auch eine eigene Wohnung hatte der Veteran Dudin schon besessen. Er trat sie jedoch an seine Kinder ab, um seine letzten Jahre im Pflegeheim zuzubringen. Dieses lag ganz in der Nähe seines früheren Wohnortes, doch seine Angehörigen hätten den Rentner dort nicht ein einziges Mal besucht, versichert das Heimpersonal. Als aber im April zum Jahresgedenken an den Sieg im Weltkrieg Präsident Medwedjew ankündigte, die überlebenden Veteranen würden kostenlose Wohnungen bekommen, erwachte noch einmal der Kampfgeist des alten Soldaten.

Briefe an die Präsidentenadministration

Dudin bewarb sich um eine Wohnung, die er seiner Enkelin Ljudmila, die selbst drei Kinder und sogar schon einen Enkel großzieht, übereignen wollte. Er schrieb drei Briefe an die Präsidentenadministration und erhielt sogar einen Bescheid, im Oktober solle ihm ein Appartement oder die Summe von 25 000 Euro übergeben werden. Der Großvater habe nicht mit ihr zusammenziehen wollen, versichert Ljudmila, die zugleich behauptet, sie habe ihn oft im Heim besucht. Der Opa habe selbst gesagt, mit den vielen Kindern sei es ihm bei ihr zu eng und zu laut.

Doch der greise Frontkämpfer habe den Beamten, die ihm die Wohnung, da er sie nicht selbst beziehen wollte, vorenthalten konnten, nicht getraut, erklärt seine Enkelin. Er sei überzeugt gewesen, man werde ihn betrügen. Tatsächlich empfinden viele Veteranen ihre Behörden als Feinde. Der alte Mann, für den eine Niederlage inakzeptabel war, mag sich wie eingekreist vorgekommen sein. Er habe von Selbstmord gesprochen, erinnert sich der Heimleiter, doch keiner nahm das ernst. Wie sich der Kriegsheld, der zum Terroristen wurde, einen Benzinkanister und eine Fackel beschaffen konnte, ist noch ungeklärt. Von den betagten Opfern, die sein letzter Befreiungsschlag forderte, wurden nur zwei von ihren Verwandten abgeholt.

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