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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vom Kaiser zur Partei Chinas verborgene Regeln

 ·  Seit Jahrhunderten haben die Chinesen eine inoffizielle Moral verinnerlicht, die neben der offiziellen existiert. Wer etwas erreichen will, darf die Schattengesetze nicht missachten.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (13)

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Tyler Durden Volland

Warum so aufwendig?

Sie schreiben es doch selber:

"„Der Kern des heutigen Systems ist eigentlich der gleiche wie der des alten“, sagt Wu Si."

Identische Regeln gab es in Europa auch mal, im Prinzip bis zum Ende des Mittelalters, und genau dort steht China gesellschaftlich nach wie vor.

Das ist so ziemlich alles was dazu sagen gibt, oder?

Kultur und Zivilisation in einem Land zeigen sich an der Lebensqualität die der Staat ALLEN seinen Bürgern ermöglicht.

Aber sowohl der herrschenden Schicht Chinas, als auch all den ausländischen Konzernen die sich Chinas Zustand um des eigenen Profites zu Nutze machen ist das egal. Was gibt es besseres als ein Land mit ein paar hundert Millionen Arbeitslosen, die man zu Sklavenlöhnen heuern und feuern kann!

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hans HUEBER
hans HUEBER (HUEBER1) - 11.07.2012 19:19 Uhr

Chinas verborgene regeln

dnke für den bericht. es gibt im Roten Reich nicht mehr nur betonköpfe. und gut ding will halt auch anderswo gute weile haben. i.ü. : gibt es korruption wirklich immer nur bei den anderen? und in demokratien -insbesondere bei uns - nicht?

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Gerhard Dünnhaupt

Eine Hand wäscht die andere

Das Sprichwort "manus manum lavat' gab es schon im alten Rom. Wenn der Sohn des Chefs unter den Bewerbern ist, wie viele Chancen haben die anderen? Wenn man Baron von Guttenberg heißt, schauen die Professoren halt nicht so genau hin, besonders wenn sie seiner Partei angehören. Wenn der Sohn von Bo Xilai in Oxford studiert, wer fragt da nach Aufnahmeprüfung? Oder wenn man ein Strafmandat bekommt, aber man kennt den örtlichen Polizeichef? Vitamin B = Beziehungen überall.

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Roland Wagner

Der Artikel stimmt grundsätzlich, allerdings ist es ganz so leicht dann auch wieder nicht.

Diese verborgenen Regeln beschränken sich beileibe nicht nur auf Parteistrukturen sondern ziehen sich durch die gesamte Gesellschaft. Lokale und ausländische Unternehmen, Ärzte und Krankenhäuser, Schulen und Universitäten, ja sogar die Mülltrennung sind Teil dieses Systems. Es ist sozusagen der Normalzustand. Ein Beispiel: Bewerber drücken den Wachleuten bzw. der Rezeptionistin am Firmeneingang 10 - 20 kuai (rmb) in die Hand um sicherzustellen das ihre Bewerbung wirklich in der Personalabteilung landet. Die vermeintliche Abhilfe durch mehr Demokratie, Transparenz etc. nur ein weiterer Versuch ist den ausländischen Leser vor den eigenen Karren zu spannen. China ist Pragmatismus und mit unseren westlichen Wertvorstellungen können die Chinesen gerade in den einfach Bevölkerungsschichten zunächst einmal gar nichts anfangen. Wie wir unser gerade in Auflösung befindliches Wertesystem als "das Richtige" vermitteln wollen bei der Show die wir momentan abliefern erschließt sich mir nicht.

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Hanna Thiele

Bewußtseinsspaltung - nicht nur eine chinesische Krankheit

Schon kurios, daß in China alte Funktionäre mithelfen, doppelte Moral und Bewußtseinsspaltung ins Bewußtsein zu heben, während gleichzeitig das Europa der Aufklärung doppelte Moral und Bewußtseinsspaltung über irrationale "Schöpfungsrettung" wieder einführt.

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Jonas Brinkmann

Korruption und Konversion

"Einige verborgene Regeln, die der persönlichen Bereicherung dienten, wurden zwischenzeitlich abgeschafft, aber kaum dass wieder ein individuelles Wirtschaften zugelassen wurde, traten sie abermals in ihr Recht“, schreiben Sie.
Heißt das, dass im anfänglichen Kommunismus die Korruption für kurze Zeit wirksam reduziert wurde? Oder bedeutet dies, dass die vorhandene Korruption plötzlich keine Regeln mehr kannte und quasi anarchisch funktionierte? Anarchische Korruption ist noch weniger transparent. Korruption ist in der Tat durch äußere Veränderungen zu bekämpfen: Demokratie, Recht und Transparenz.
Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die innere Veränderung der Individuen: die fortwährende Konversion der Menschen zu Aufrichtigkeit und Nächstenliebe.
Äußere Struktur und innere Einstellung müssen korrespondieren.

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Friedrich Gottwald
Friedrich Gottwald (Tada) - 11.07.2012 11:22 Uhr

In der DDR nannte man es einfach "Beziehungen".

Die gut vernetzte Schattenwirtschaft und Korruption der DDR war ebenso eine gesellschaftliche Konvention, letztlich natürlich geboren aus einem blinden Staat und der Mangelwirtschaft. Aber diese "Beziehungen" gehen den Menschen einfach in Fleisch und Blut über.

Der Staat an sich hat dieses vermeintliche Problem schon deshalb nicht bekämpft, weil die Staatsbediensteten selbst drinsteckten. Aber in Westdeutschland wurden Stasi-Spione einfach so mal als rechtschaffende Bürger eingestellt. Völlig nichtsahnend um welche Korruptions"bomben" es sich bei diesen Brüdern handelte. Stichwort "Dioxin-Skandal".

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Johannes Jeub
Johannes Jeub (JohJeub) - 11.07.2012 11:11 Uhr

"Hongbao"(红包) heißt roter (Brief)umschlag...

Da hätte der Autor in Peking lieber selber mal einen Umschlag angenommen, damit er weiß wovon er redet.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 11.07.2012 16:35 Uhr
Roland Wagner

Die roten "Teufeleichen" um die es in dem Artikel geht sind rote Umschläge,

in denen sich Geld oder auch z. B. Gutscheine befinden. Wenn das trotz aller Mühe nicht mehr in den Umschlag passt wird es in ein LV Täschchen gepackt und durch die Freundin an die Freundin des Empfängers übergeben. Rote Täschchen mit Moon cakes oder kleinen Geschenken darin werden von Bedeutungslosen an Bedeutungslose in einem belanglosen Kontext übergeben. Es sind eher Platzhalter für die armen Teufel, die beim roten Umschlagregen leer ausgehen, da man in China stets bemüht ist jedem sein Gesicht zu lassen, es sei den man hat die Chance es ihm zu nehmen ohne Nachteile befürchten zu müssen. Ausländern gibt man die roten Looser Tütchen auch gerne. Puuh, da kann einem wirklich schwindelig werden... ;)

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Marcel Münch

Warum den Autor attackieren?

Was spricht gegen die Übersetzung für diesen chinesischen Eigenbegriff? Ich finde sie ist sehr gut gewählt. Schauen Sie sich die 红包s, die im heutigen China bei Feierlichkeiten, Geburtstagen und sonstigen Gelegenheiten verteilt werden doch mal an. Es sind kleine Papier-/Papptäschchen (bāo 包: Tasche, Umschlag, etw. einpacken / einwickeln) die äußerlich nur wenig mit "Briefumschlägen" zu tun haben und die man auch nicht per Post verschicken kann. Daher vermittelt die Übersetzung, die Siemons wählt - Zumal er im Nebensatz auch das Wort Umschlag benutzt, doch einen sehr schönen Eindruck vom Status Quo und das in deutscher Sprache. Andernfalls könnte man auch argumentieren ein roter Briefumschlag wäre doch tatsächlich mit 红信封 zu übersetzen, denn nicht in jedem roten Briefumschlag steckt zwingend auch ein Geldgeschenk ;)

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Roland Wagner

Das ist richtig, dachte ich mir auch gleich.

Die gibt es auch mit schönem Goldglitter drauf, das bleibt dann aber manchmal an den Fingern hängen, kann verhängnisvoll enden...

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Franz Führer

Aus dem chinesischen Beispiel lernen!

China war und ist ein grosses Reich. In grossen Zentralstaaten haben sich immer relativ undurchsichtige Strukturen herausgebildet und werden dies auch in Zukunft tun.

Europa und insbesondere Deutschland waren dagegen in viele Staaten und Fürstentümer zersplittert. Diese Klein- und Kleinststaaten waren viel durchsichtiger und verhinderten so ein Überhandnehmen von Korruption. In diesen Kleinstaaten konnten sich neue Ideen entwickeln. Die kleinen Fürsten konnten ihre Bürger nicht so unterdrücken wie die grossen Staaten, da es relativ leicht war, sich ins Nachbarfürstentum abzusetzen.

Mit den neuen Ideen entwickelten sich Wissenschaft und Technik, Handel, Finanzwesen. Und so wurde Europa weltweit zum führenden Kontinent und exportierte dieses Gedankengut nach Amerika und darüber hinaus.

Was tut Europa heute? Es schliesst sich zu einem zentralistischen Grossreich zusammen.
Der Weg zu chinesischen Verhältnissen ist vorprogrammiert.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 11.07.2012 14:05 Uhr
Ulla Nachtmann

Herr Führer,

100% Zustimmung für Ihren schönen Kommentar.

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Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

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