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Völkerkundemuseen : Raubkunst, die nächste Debatte

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Ein Geschenk, keine Raubkunst: Diesen Thron, der im Berliner Ethnologischen Museum ausgestellt ist, schenkte Sultan Njoya von Bamum 1908 seinem deutschen Kollegen Wilhem II. Bild: Prisma Bildagentur

Es gibt Beute, über die man nicht froh werden kann: Die Völkerkundemuseen beginnen mit der Erforschung ihrer eigenen Sammlungen. Warum Provenienzforschung nicht nur hinter den Kulissen stattfinden sollte.

          Wer will, von wenigen markanten Ausnahmen abgesehen, nach fünfzig oder achtzig Jahren noch feststellen, wie der Vorbesitzer ein Stück erworben hat, welches Kunstwerk unter Druck, welches gegen Bezahlung eines guten Preises, welches für einen schlechten Preis und welches als Geschenk in europäische Hände kam?“ Diese Frage stellte Jürgen Zwernemann, Direktor des Hamburger Museums für Völkerkunde, 1977 in rein rhetorischer Absicht. Was damals unmöglich schien, ist heute als koloniale Provenienzforschung an deutschen Völkerkundemuseen Programm. Seit April 2016 erforscht das Stuttgarter Linden-Museum sein „schwieriges Erbe“ in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen. Im Überseemuseum Bremen hat man in Kooperation mit Jürgen Zimmerers umtriebiger Hamburger Forschungsstelle „(Post)koloniales Erbe“ mit der Untersuchung der Sammlungen aus den deutschen Kolonialgebieten Kamerun und Tansania begonnen. Vor kurzem zu Ende ging eine Ausstellung über das „heikle Erbe“ am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, das als eines von wenigen Museen der Provenienzforschung zur Kolonialzeit eine unbefristete Stelle widmet.

          Koloniale Sammelwut

          Steht man bei Ethnographica und Kunstschätzen noch am Anfang, ist die Forschung zu ethisch hochbedenklichen menschlichen Überresten schon weiter fortgeschritten. Eine Forschergruppe der Charité untersuchte einen Teil der nach Tausenden zählenden Schädel und Skelette, die zu Zwecken anthropologischer Rassenforschung nach Berlin verbracht wurden. Darauf aufbauend, legten die Ethnologin Larissa Förster und der Historiker Holger Stoecker eine Studie vor, die Objektbiographien der „Kopfhaut eines Herero“ in den naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität Jena umreißt und hinsichtlich methodischer Reflexion und sprachlicher Sensibilität als vorbildlich gelten kann. Nicht fehlen darf schließlich auch das in Gründung begriffene Humboldt-Forum in Berlin. Dort untersucht man mit Partnern aus Tansania die „geteilten Objektgeschichten“ eines Bestands, der als Beute des Maji-Maji-Kriegs zwischen 1905 und 1907 nach Berlin verbracht wurde. Glaubt man den Versprechungen des Triumvirats an der Spitze des Forums, dann wird sich die 2019 zu eröffnende ethnologische Schausammlung durch ein „Maximum an Transparenz über die Erwerbungsumstände“ der dort gezeigten Objekte auszeichnen.

          Koloniale Provenienzforschung klärt, unter welchen rechtlichen, politischen, kulturellen und epistemologischen Umständen Objekte in ihre heutigen Aufbewahrungs- und Eigentumsverhältnisse gekommen sind. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Jahrzehnten direkter deutscher Kolonialherrschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Zwar weisen Museen zu Recht immer wieder darauf hin, dass ihre Sammlungen zeitlich und räumlich weit über die deutsche Kolonialzeit hinausgreifen. Doch ist der Fokus gerechtfertigt. Ob in Namibia, Kamerun, Tansania oder der Südsee: Überall bildeten Eroberung und Kolonialkriege sowie die peripatetische Herrschaftspraxis ständiger Reisen und Expeditionen äußerst ergiebige Sammlungskontexte. Museumsdirektoren versorgten Forschungsreisende und Kolonialbeamte mit detaillierten Anleitungen zum Sammeln. Von Alltagsgegenständen bis zu (vermeintlichen) Ritualobjekten galt praktisch alles als materieller Niederschlag authentisch-autochthoner Kulturen, deren Zeugnisse westliche Abgesandte vor dem Vordringen der eigenen, westlichen Kultur retten wollten. Einige Beschaffungsaufträge – in Alkohol eingelegte Penisse oder Skelette möglichst aller Ethnien – lösen in ihrem objektivierend-entmenschlichenden Gestus heute Kopfschütteln aus. Infolge der kolonialen Sammelwut schwollen die Sammlungen landauf, landab an „wie trächtige Nilpferde“ – so das bekannte Diktum von Leo Frobenius aus dem Jahr 1925.

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