Die Franzosen pflegen ihre – auch frivolen – Wortspiele mit Charme und ironischer Doppelzüngigkeit. „La petite différence“ ist als „kleiner Unterschied“ auch im Deutschen verständlich. Der lange Arm – „le bras long“ – steht für Macht und starken Einfluss. „Chercher la femme“ ist genauso zum geflügelten Wort mit vielen Varianten geworden. Poeten und Werber pflegen diese hohe Kunst der Sprachspielerei mit kreativer Stilsicherheit. Jetzt aber nimmt das Land verblüfft zur Kenntnis, dass sie auch in Deutschland beherrscht wird.
Die neue Kampagne des Autoverleihers Sixt steht in allen Pariser Zeitungen: im deutschen Original und gratis. Wortwörtlich kann der Text übersetzt werden, eine semantische Erläuterung der Anzüglichkeiten setzt er nicht voraus: „Machen Sie es wie Madame Bruni. Nehmen Sie sich einen kleinen Franzosen.“ Sixt wirbt für einen Kleinwagen von Citroën aus seiner Flotte, und nur zu gerne übernahmen die Medien den Scherz zum Nulltarif.
Monsieur Sarkozys Nerven liegen blank
Ryanair war eine Werbung mit Sarkozy und Carla einst teuer zu stehen gekommen: 60 000 Euro Schadenersatz. Ob der kleine Franzose und seine Grande Dame auch gegen den Billigvermieter klagen? Denkbar ist es, Sarkozys Nerven liegen blank. Jüngst hat er Gerüchte um die Seitensprünge beider zur Staatsaffäre gemacht und den Geheimdienst eingespannt. Erfolgreicher als seine Agenten und die Berater im Elysée war Carla um Schadensbegrenzung bemüht. Sie hat das Feuer gelöscht und erneut eine alles andere als private Affäre provoziert, die jedoch raffiniert vom kleinen Franzosen ablenkt.
Ein Konzert soll die Sängerin verboten haben, das im Louvre und am kommenden 18. Juni, dem Jahrestag von de Gaulles Londoner Appell zum Widerstand, hätte stattfinden sollen. Mit Ort und Datum begründete Kulturminister Mitterrand die Absage von oben, obwohl eine Bewilligung längst vorlag. Die Zeitungen aber schreiben, Carla Bruni habe eine Konkurrenz zu ihrer eigenen Veranstaltung zugunsten der Aids-Hilfe gefürchtet. Mitterrand wird verspottet als „copain d’abord“ (Kumpel von oben, nach dem Titel eines Chansons von Georges Brassens), der seiner Gönnerin keine Bitte abschlagen kann – seit seinen Streifzügen mit Strichjungen erst recht nicht. Die First Lady mit ihrer auch nicht ganz unbefleckten Vergangenheit aber beweist einmal mehr, wie hoch entwickelt ihr politischer Instinkt ist. Das Scheinverbot für ein Konzert ist eine selbstlose Rettungsaktion für den bedrängten Herrn Gemahl, von dem nur sie uns straffrei sagen kann: Der kleine Franzose hat einen langen Arm.
Ist das wichtig?
Harry LeRoy (Cimon)
- 01.05.2010, 22:46 Uhr