Bekanntlich ist die Welt eine die Menschen zunehmend überfordernde, weshalb diese vor allem in westlichen Ländern von zahlreichen psychischen Problemen heimgesucht werden. Genannt seien hier nur die Hauptschrecken: Zwanghaftigkeit, Wut, Esssucht, Zwangsvorstellungen, Panikanfälle, vermindertes Selbstwertgefühl, Stress und Sorgen. Nun ergibt es sich, dass über all diese Syndrome bereits viele Bücher geschrieben wurden, in denen Strategien zu ihrer Bewältigung und Überwindung vorgestellt werden. Sie wollen lehren, wie man angstauslösende Traumata auslöscht, seine Reizbarkeit eliminiert oder in zehn Tagen sein Selbstwertgefühl stärkt.
Akkupressur gegen Kindheitstraumata
Nun hatte man in England die wegweisende Idee, die Puzzlestücke „psychisches Leiden“ und „Selbsthilferatgeber“ zusammenzufügen: Fortan sollen Bücher etwa zu Stressmanagement und Depressionsminderung auf Rezept in der Bücherei erhältlich sein. Um den Ruhm dieser Innovation nicht ungerechterweise allein den Engländern zu überlassen, sei noch erwähnt, dass die Idee auf einen walisischen Psychologen zurückgeht und zunächst nach Neuseeland emigrierte, bevor sie sich im englischen Gesundheitswesen einnisten konnte. Vorerst haben es dreißig Werke auf die Liste zu erwägender Ratgeber geschafft.
Man kennt den Satz vom Hungrigen, dem man keinen Fisch schenken, sondern das Angeln beibringen soll. Überträgt man diese älteste Philosophie der Selbsthilfe auf das Gesundheitssystem, so verspricht die britische Initiative eine selbstregulative Gesellschaftsgenesung: Bewaffnet mit dem Wissen der jeweiligen Heilbibel, wird der ermächtigte Ex-Depressive losziehen und die frohe Kunde überbringen. Freudianische, jungianische, gestalttherapeutische Enklaven werden sich gründen, von Akkupressuranleitungen inspiriert, werden die Geängstigten gemeinsam gegen ihre Kindheitstraumata anklopfen. Und trotz aller Verschiedenheit der Schulen und Ansätze werden die neuen Gesundgelesenen geeint sein im Leitmantra: Don’t worry, be happy.
Dufted nach Self-Delusion
Egon Weissmann (EgonOne)
- 01.02.2013, 17:30 Uhr
Wahrscheinlich ist es Selbsthilfe der Therapeuten die darauf setzen das
der Absatz Ihrer Bücher
klaus keller (klkeller)
- 01.02.2013, 16:17 Uhr