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Verloren : Zum Tod des jungen Künstlers Dash Snow

Der amerikanische Künstler Dash Snow ist im Alter von 27 Jahren in New York gestorben - sein Leben war kurz und erfolgreich, sein Werk erzählt vom Leben im exzessiven Taumel.

          Als ich Dash Snow zum letzten Mal sah, saß er auf dem Boden seiner Berliner Galerie und hörte Musik. Die Ausstellung sollte am Abend eröffnet werden, seine schwangere Freundin lag in seinem Arm, und er legte ein paar alte Platten auf, die er aus New York mitgebracht hatte - ich glaube, es waren Leonard Cohens „Marianne“ und Gram Parsons' „Grievous Angel“. Dash Snow konnte, wie in diesem Augenblick, auf eine melancholische Weise glücklich, aber auch sehr albern und laut sein. Er feierte, als sei das der einzige Weg, nicht ums Leben zu kommen.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Er hörte gern Musik aus einer Zeit, in der er noch nicht geboren war, und seine Collagen sahen aus, als seien sie im Kalifornien der späten sechziger Jahre entstanden: alte Plattencover, vergilbtes Papier mit zarten Spuren, über denen sich ein paar einzelne Worte versammelten, die wie verirrte Dada-Soldaten auf der Suche nach ihrer Kompanie durch die Collage-Landschaften taumelten.

          Chronist einer lost generation

          Dieser Taumel war etwas, das Snow sein kurzes Leben lang begleitete. 1981 wurde er in New York geboren, seine Mutter ist die Halbschwester von Uma Thurman, seine Familie stammt aus dem berühmten De-Menil-Clan - was für einige Kritiker reichte, um seine Karriere als Prominentenkindphänomen abzutun. Was bleibt, sind vor allem seine Fotografien, die eine lost generation von jungen Künstlern beim exzessiven Feiern im traurigen Amerika der Nullerjahre zeigen.

          Seit er in Museen wie dem Whitney ausgestellt wurde und ihn das „Wall Street Journal“ unter die zehn wichtigsten Nachwuchskünstler zählte, wurde um die Qualität seiner Arbeiten gestritten - die einen sahen in ihm einen talentierten „Appropriation Artist“, der sich auf Beuys und Beatnik, Max Ernst, Twombly und Warhol beziehe und in einer depressiven, von Terrorismus und Infektionsängsten geprägten Ära von der Aufbruchsenergie früherer Dekaden träume; andere befanden, seine Kunst sei pubertär (was sie oft war), epigonal (was jemand in diesem Alter vielleicht auch sein darf) und habe nur Erfolg, weil sich der Kunstmarkt nach Figuren sehne, die das Klischee vom rauschhaften, sich exzessiv verausgabenden Künstler bedienten. Leider war es nicht nur ein Klischee. Dash Snow starb am 13. Juli mit nur siebenundzwanzig Jahren in einem New Yorker Hotel an einer Überdosis Heroin. Er hinterlässt eine zweijährige Tochter.

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