28.01.2010 · Vorbei die Zeit, da Zeitung und Internet getrennte Wege gingen? Die „New York Times“ stürzt sich auf die Kooperation mit Apple. Kritiker sehen zwischen iPhone und iPad dagegen nur einen Größenunterschied.
Von Jordan Mejias, New YorkWie soll das nicht epochemachend wirken? Offenbar müssen neue und alte Medien sich nicht länger skeptisch oder gar feindselig gegenüberstehen. Vorbei die Zeit, da die „New York Times“ nur über eine Premiere im Hause Apple berichtete. Jetzt spielt das Blatt mit. Auf dem taufrischen iPad, der schon in sechzig Tagen ausgeliefert werden soll, will die Zeitung im allerneuesten technologischen Umfeld über ihre altvertraute Originalpracht hinauswachsen. Aber obwohl in zwei Monaten die womöglich bahnbrechende Kooperation beginnen soll, hüllt sich die „New York Times“ nun auf Anfrage in eisiges Schweigen. Es sei bloß ein Demonstrationsprodukt gewesen, das da in San Francisco von seinem Erfinder hochgehalten wurde, und um die Fragen, die wir gestellt hatten, zu beantworten, sei es viel zu früh.
Wissen wollten wir etwa, wie es mit der Bezahlung vor sich geht: ob für jeden einzelnen Artikel, den sich der iPad-Nutzer auf den Bildschirm holt oder sogar auf dem Gerät speichert, ein Betrag fällig wird. Oder ob ein Abonnement aufgelegt oder sonst wie eine Pauschale eingeführt wird. Vielleicht ist die „New York Times“ so vorsichtig, weil sie die Bedenken kennt, wie sie uns etwa der New Yorker Medientheoretiker Douglas Rushkoff vorträgt. Aparterweise war Rushkoff einst für die Zeitung in Sachen Cyberkultur tätig, bevor er seine Bestseller über die neuen Technologien und Medien schrieb. „Bisher“, stellt er ohne Umschweife fest, „hat die Zusammenarbeit mit Apple noch keinem Inhalte-Anbieter den erhofften Gewinn verschafft.“ Die Geldquelle, die sich mit dem iPad der Zeitung erschließen soll, kann Rushkoff nicht erkennen.
Nur ein Größenunterschied?
Statt solch kritischen Tönen Paroli zu bieten, ergeht sich die „New York Times“ in nichtssagenden Verlautbarungen. Aber auch die Konkurrenz hält sich seltsam bedeckt. Die „Los Angeles Times“ erklärt uns lapidar: „Wir sind nicht daran interessiert, das zu kommentieren.“ Vom „Wall Street Journal“, das seit der Übernahme durch Rupert Murdoch sich immer energischer in den Wettbewerb mit der „Times“ stürzt, bekommen wir gleichfalls nur zu hören: „Wir geben dazu keinen Kommentar ab.“ Die Sprecherin der Zeitung versäumt indes nicht, darauf hinzuweisen, dass das WSJ bereits jetzt auf dem Kindle von Amazon, auf dem Nook von Barnes & Noble, auf der Lesemaschine von Sony und demnächst auch auf dem Que genannten Gerät des aufstrebenden Unternehmens Plastic Logic herunterzuladen ist und außerdem in einer Version für Blackberrys sowie iPhones dem elektronisch geneigten Leser zur Verfügung steht.
Kritiker des iPad behaupten ohnehin, es sei lediglich ein größeres iPhone. Wie Zeitungsleser Obama künftig verfahren wird, ob mit Papier in der Hand oder einem Touchscreen unter den Fingern, bleibt der überparteilichen Spekulation überlassen. Steve Jobs gehörte der Vormittag, Barack Obama dann doch der Abend. In seiner Rede zur Lage der Nation erwähnte er den iPad allerdings nicht.